Zinkfraß allgemein

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Moderator: Die Instrumentenbauer

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RealC
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Zinkfraß allgemein

Beitrag von RealC »

Alle reden immer von Zinkfraß. Fraß ist schlecht, Fraß macht alles kaputt, Fraß mindert den Wert eines Instruments ungemein.

Ist das tatsächlich so?

Mal gnaz abgesehen von seiner Entstehung (ob man es nun auf "aggressiven Speichel" schiebt oder nicht) und seinem doch vermehrten Vorkommen bei bestimmten Trompeten (Yamaha Z Serie, Connstellation Züge, Getzen Eterna Züge, Bach Mundrohre etc.):

- kann Zinkfraß (nicht Grünspan!) in irgendeiner Weise gesundheitsschädlich wirken?

- wie lange dauert es tatsächlich, bis verschiedenene Teile des Instrumentes (Stimmzug, Mundrohr, Ventilgehäuse) "durch" sind? Geht dies beim Ventilgehäuse überhaupt? Macht die Blechdicke an der Stelle des Fraßes einen gravierenden Unterschied, "kriecht" der Fraß da quasi durch?

Ich frage, weil meine alte King bspw. 10 Jahre Zinkfraß hatte bis zum Verkauf, und es überhaupt keinen Einfluss auf die Kaufentscheidung des Interessenten hatte. Zudem hat mein getzen Kornett seit Jahrzehnten diesen Fraß fast an jedem Bauteil und auch dort gibt es absolut keine Probleme.

Meine nun gebraucht gekaufte Conn 52b hat auch an Stimmzug, 2. und 3. Zug Zinkfraß und ich habe nur leicht handeln können.

Muss ich damit rechnen, innerhalb der nächsten 10 Jahre die Teile austauschen zu müssen oder wird das Thema ganz allgemein sowieso überschätzt?

LG, Daniel
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Elvis
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von Elvis »

Zinkfraß selbst wird m.E. überschätzt. Der Beweis sind die vielen noch spielbaren Instrumente, die ja im Umlauf sind.

Er birgt halt optische Nachteile, wenn das gesamte Instrument befallen ist, bzw. wenn ein Instrument - aus welchen Gründen auch immer - repariert und neu lackiert werden muss, wird dir jeder Instrumentenmacher empfehlen die betroffenen teile auszutauschen, da der Fraß nach relativ kurzer Zeit (einige Wochen) durch den neuen Lack wieder durch ist.
Quidquid agis prudenter agas et respice finem
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Puukka
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von Puukka »

Das kommt nur darauf an, wie heikel Du bist.

Theoretisch stört jede Unebenheit, speziell im Mundrohr.
Reynold Schilke hat auch deshalb seine Trompeten mit der reversed Leadpipe ausgestattet und empfielt, die gap durch Anpassen des Mundstückschaftes komplett zu elimieren.
Zinkfrass frisst von innen, also wenn Du in ein Mundrohr hineinleuchtest, kann es schon Löcher haben, die aber lange brauchen, bis sie nach aussen durch sind.

Ich hatte mal eine bronzelackierte CONN 22B aus den Dreissiger Jahren.
Die hatte leider am Stimmzugbogen und Mundrohr schon komplette Löcher und einige rote Flecken waren so brüchig, dass man mit dem Nagel ein Loch machen konnte. Bei der Trompete optisch fatal, weil man diesen Bronzelack heute nicht mehr bekommt.
Herbert
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burt
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von burt »

Für die Instrumentenbauer und Werkstätten in den Musikhäusern ist das Thema Zinkfraß natürlich immer ein beliebter Grund, gleich den kostspieligen Austausch ganzer Bauteile zu empfehlen. :shock:
Sollten Rohre tatsächlich in der von puukka beschriebenen Art durchgefressen sein, gibt es dazu auch i.d.R. keine Alternative.
Kleinere Fraßspuren, welche sich als Materialaufwürfe z.B. im Mundrohr zeigen, lassen sich heute durch eine spezielle Beize entfernen und das Rohr wird durch diese Behandlung von innen nicht nur glatt sondern auch konserviert und weiterer Fraß verhindert.
Hinterher immer schön Öl durchs Instrument blasen und man hat keine Probleme.
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well-blech
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von well-blech »

In der Zeitschrift Sonic gabs vor drei oder vier Jahren (?) mal einen Reparatur-Artikel, bei dem ein durchgefressener Posaunenzug mittels kleiner Flicken wieder hergestellt wurde. Das Ergebnis war optisch nicht uninteressant!!! Sicher aber noch aufwändiger als ein Komplettaustausch perforierter Teile.

well
blech
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von eigentlichhornist »

burt hat geschrieben:Kleinere Fraßspuren, welche sich als Materialaufwürfe z.B. im Mundrohr zeigen, lassen sich heute durch eine spezielle Beize entfernen und das Rohr wird durch diese Behandlung von innen nicht nur glatt sondern auch konserviert und weiterer Fraß verhindert.
Hallo,
davon hab ich ja noch nie was gehört. Wie heißt denn das Mittel? Hab da grad beim googeln und hier im Forum nichts drüber gefunden. Danke.
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von amateur »

RealC hat geschrieben:Getzen Eterna Züg
Mann, bin ich froh, eine der Ausnahmen zu besitzen, die offensichtlich die mir nicht bekannte Regel bestätigen:
Meine Eterna will und will einfach keinen Zinkfrass an den Zügen ansetzen :roll:
Dabei hätte sie doch schon gut ein Vierteljahrhundert Zeit gehabt :Tock:
Naja... ich kenne noch so einige gleichaltrige Eternas (I+II), die sich strikt weigern, dem Zinkfrass zu erliegen :D

LG, Helmut
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von Steffen »

Alles eine Frage des Materials. Meine Olds Super ist Jahrgang 1946 und hat nicht eine Spur von Zinkfraß.

Leider wird so etwas heute wohl nicht mehr gebaut. Oder behauptet jemand das Gegenteil?

Frage an die Instrumentenbauer!

Viele Grüße,

Steffen
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haynrych
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von haynrych »

löcher lassen sich gut flicken, das ist nur eine frage, ob man sich das leisten will. sogar billigflickereien mit isolierband können durchaus brauchbar sein. ein exkollege (militärmusik) hatte eine uraltbach (NY). an manchen stützen waren die lötstellen aufgegangen, manche löcher waren professionell geflickt, manche löcher hatte er selbst mit isolierband geflickt. der lack war ohnehin nahezu vollständig ab. gespielt hat er sie mit dem kleinsten J.B.S.-mundstück. trotzdem war sein sound fett ohne ende!
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von Brass76 »

Venator gut gepflegt und ohne jeglichen Frass.War halt was nichts von der Stange gekauftes.
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von ttrumpett »

Wenn ich alle Beiträge hier durchlese komme ich zu dem Schluss, dass Mundrohre nicht lötbar sind...warum auchvimmer..oder warum lötet man ein durch Zinkfrass entstandenes Loch nicht einfach zu?
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von ttrumpett »

Niemand?
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von C-Becks »

ttrumpett hat geschrieben: Sonntag 18. Oktober 2020, 16:44 ..oder warum lötet man ein durch Zinkfrass entstandenes Loch nicht einfach zu?
Ich denke dass das optisch nicht besonders was her macht. Letzendlich will man doch auch nicht nur ein gut spielendes sondern auch ein gut aussehendes Instrument. Wer auf echten "crashed" Look steht, lötet vll auch seine Zinkfraßlöcher zu oder macht Isolierband drum :narr:
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von ttrumpett »

Ich denke nicht, dass nach dem ordentlichen Verschleifen, Schmirgeln und Polieren das überhaupt jemand sieht, es sei den (mit der Lesebrille) am leicht anderen Farbton des Lotes!!
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Wolfram
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Re: Zinkfraß allgemein

Beitrag von Wolfram »

ttrumpett hat geschrieben: Sonntag 18. Oktober 2020, 16:44 ... warum lötet man ein durch Zinkfrass entstandenes Loch nicht einfach zu?
Weil da, wo ein Zinkfraß-Fleck zu sehen ist, meist noch mehr im "Anmarsch" ist... Wo soll man anfangen und wo aufhören zu löten?
Ausserdem kann man Lötstellen von Aussen sicher gut bearbeiten, Innen bleiben aber Unebenheiten, die weitere Ansammlung und chemische Reaktionen verursachen werden. Somit ist jeder Aufwand und jede Reparatur an einem Bauteil mit Zinkfraß rausgeschmissenes Geld. Dann lieber die Bauteile austauschen oder solange spielen, bis die Löcher offen sind und das Bauteil oder Instrument gewechselt werden muss.

Hier mal ein Beispiel für ein Zinkfraß-Loch. Bekommen hatte ich die Reparatur mit einem roten Fleck, der einen schwarzen Punkt (Loch) in der Mitte hatte. An diesem Ventilzug habe ich noch mal einen Flicken aufgelötet, damit die Trompete nutzbar bleibt, bis ein neuer Ventilzug zum Austausch ankommt.
Vielleicht hilft dieses Foto das Ausmass der Schäden mit Zinkfraß zu verstehen.
LG, Wolfram
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