Kappen

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Moderator: Die Instrumentenbauer

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Riethe
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Kappen

Beitrag von Riethe » Sonntag 10. Juni 2018, 18:02

Hey ho,

Das geht nun wahrscheinlich wirklich „nur“ an die erfahrenen Instrumentenbauer hier.
Ich bin zwar seit 2016 auch ausgelernt, weiß aber längst noch nicht alles.

Ich habe vor, mir ein eigenes Bariton-Horn zu bauen ( finde das Instrument neben Trompete und Flügelhorn auch sehr toll ) mit selbstgebogenem Anstoß, der nicht dem „Standard-Design“ entspricht, da tritt natürlich das Problem auf, dass ich die Kappe nicht an einer speziellen Maschine einfach biegen kann, weil mir ja die Form fehlt. Also muss ich so eine Kappe komplett per Hand herstellen. Ich weiß aber leider nicht wie! Vielleicht kann hier Jemand helfen und mir erklären, wie das am besten geht ?

Eine Idee hätte ich schon:

- Blech ausschneiden
-glühen
- Kappenholz hernehmen und einschlagen
- glühen
- einreiben

ABER

- was für ein Holz nimmt man da am besten?
- wie kriegt man diese Mulden darein und wie groß, lang und tief müssen die sein für Tuba, Tenorhorn/Bariton, Basstrompete, Waldhorn ....
- welche Hämmer nimmt man da am besten?
- wie fange ich an, zu schlagen?
- wie finde ich heraus, wo ich hinschlagen muss, damit die zukünftige Kappe genau anliegt ?
- wie genau muss ich dann an den jeweiligen stellen Hämmern?
- die „andere“ Rundung seitlich kommt dann beim einreiben?


Hoffentlich weiß das Jemand ????

Mit freundlichen Grüßen

Riethe
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Re: Kappen

Beitrag von Wolfram » Sonntag 17. Juni 2018, 22:09

Hallo Riethe,
es ist mutig eine solche Kappe selber anfertigen zu wollen, benötigt man doch dazu nicht nur eine gute Ausbildung, sondern auch das richtige Werkzeug.
Mit Schlagen und Hämmern liegst du komplett falsch, es sei denn du möchtest eine Kappe mit "Hammerschlagmuster".

Die Kappen werden in der Regel so gefertigt, dass sie glatt, enganliegend und trotzdem nicht zu hohl liegen. Das bedeutet, dass der Blechstreifen fast identisch mit der Krümmung des Anstoßes sein muss und in jeder Nuance ein klein wenig enger ist. Nur dann entsteht der minimalste Hohlraum zwischen Kappe und Anstoß und erzeugt den gewollten Effekt - einen Schutz in "doppelter Materialdicke" zu haben. Es ist also ein individuelles Unikat, welches handwerklich angefertigt wird.
Werkzeuge sind dafür Kugel-Hämmer und ein Hohlform-Brett (aus Hartholz) mit unterschiedlichen Hohlkehlen. Das Blech, das als Kappe angefertigt werden soll wird mit dem Kugelkopf in die Kehlen gedrückt und muss immer wieder zwischen-geglüht werden. Ohne fachliche Vorkenntnis und Anleitung glaube ich nicht, dass du das hin bekommst.
Kannst du nicht in deinem Ausbildungsbetrieb nachfragen, ob sie dir diese Technik nachträglich zeigen und mit dir üben können?
LG, Wolfram
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Re: Kappen

Beitrag von Singvögelchen » Sonntag 17. Juni 2018, 22:29

Mal für mich Laien: was bitte ist eine Kappe? Ich hab den Begriff noch nie mit Bezug auf Instrumente gehört und wäre über ein erklärendes Bild dankbar.

:Hä: :gut:
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


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Re: Kappen

Beitrag von Wolfram » Sonntag 17. Juni 2018, 22:58

Hallo Singvögelchen,
gerne lege ich noch Fotos nach, um es besser zu verdeutlichen...
Bei Trompeten kennt ihr sogenannte "Kappen" vom Halbtonzug (2.Ventilzug). Dort hat er die Funktion den Ring am Bogen so zu befestigen, dass die Zugkraft optimal verteilt wird und der Zug auch mal bei klemmenden Zustand mit Kraft heraus gezogen werden kann.
Diese Halbtonkappe sieht so aus. (Foto von Voigt-Brass / Markneukirchen)
Bild

Unser Forums-Mitglied Riethe benötigt aber eine Kappe für Bariton und möchte diesen selber anfertigen...
Diese Kappen sind viel größer und sollen den Bogen nach dem Schallstück schützen (doppelte Materialdicke). Dadurch ist das Instrument besser gegen Beulen geschützt.
Manchmal wird noch ein Halbrunddraht als zusätzliche Verstärkung aufgelötet, so wie auf dem Detailfoto vom Musikhaus Thomann zu sehen:
Bild
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Re: Kappen

Beitrag von Wolfram » Sonntag 17. Juni 2018, 23:26

Hallo Rieth,
Dir dürfte bekannt sein, dass es Spezialisten für Instrumenten-Werkzeugbau gibt. In Deutschland ist der bekannteste:
Josef Böhm in Neustadt (regelmäßig mit einem eigenen Stand auf der Frankfurter Musikmesse)
Bei ihm findest du die Hämmer in diesem Katalog http://www.boehmtools.de/fileadmin/Asse ... beisen.pdf

Auf Seite 1 gleich auf dem ersten Foto von -041- sind die Hämmer 4 und 5 die, welche du für das Kappen drücken benötigst. Vielleicht verkauft er sie dir ja auch einzeln.
Auf der Seite 2 ist unter Nummer -428/1- auch ein "Einschlageisen" dass für Kappendrücken brauchbar erscheint. Ich habe mir für das Kappendrücken selber eine Holzplatte aus Hartholz angefertigt. Mit welchem Werkzeug man besser zurecht kommt muss man ausprobieren.

Ich hoffe, dass diese Hinweise dir weiter helfen.
LG, Wolfram
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Re: Kappen

Beitrag von Singvögelchen » Montag 18. Juni 2018, 10:42

Hi Wolfram, herzlichen Dank!!!

Es ist schon faszinierend, da hat man jeden Tag für mehrere Stunden das Instrument in der Hand und kennt die Namen der Bauteile nicht.

Schön, dass man im TF immer wieder was Neues lernen kann :huepf: :huepf: :huepf:
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


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Re: Kappen

Beitrag von schattie280 » Montag 18. Juni 2018, 11:13

Moin Riethe,

der Sickenstock von Böhm ist leider um ein Vielfaches zu klein, um eine Kappe für ein Bariton auszureiben.
Du wirst also nicht um ein eigene Form herum kommen.
Die Kappe kann ausgerieben oder ausgerollt werden.
Dazu gibt es bei Böhm eine Rolle (067KS), die dir helfen könnte. Das Kappenausrollgerät ist nicht mehr erhältlich, meine ich.
Für Ferree´s Z60 gibt es etwas in der gleichen Art.
Vielleicht kannst du von einem Hersteller eine ungefähr passende Kappe (ohne Kamm!) als Ersatzteil ordern und sie nachbearbeiten.
Den Kamm kannst du einfach selbst machen: z.B. 5mm Rund der Länge nach durchsägen, biegen, weich auf die bereits aufgelötete Kappe auflöten.

Gruß,
Schattie
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Re: Kappen

Beitrag von Riethe » Freitag 29. Juni 2018, 18:53

Hallo Wolfram und Schatti,

Danke für die Antworten! ... Wenn ich die Kappe gemacht habe, werde ich vielleicht mal Bilder posten.

da ich zum Glück NICHT mehr in meinem Ausbildungsbetrieb arbeite, sondern in England bin, kann ich meine alten Ausbilder leider nicht mehr fragen. Zumal die wahrscheinlich auch keine Ahnung davon hätten, für die kommen solche Teile vorgefertigt und da macht man sich dann keine Gedanken mehr drüber ???? - natürlich schlecht für Azubis, die den Beruf in wirklich allen Facetten lernen und ausführen wollen ...

Ich schau mal, ob wir hier ähnliche Werkzeuge, wie die hier vorgeschlagenen haben, ansonsten müsste ich mal schauen, ob Böhm nach England versendet. ????

Danke für die Antworten nochmal.
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Re: Kappen

Beitrag von Wolfram » Freitag 29. Juni 2018, 21:34

Riethe hat geschrieben:...
Ich schau mal, ob wir hier ähnliche Werkzeuge, wie die hier vorgeschlagenen haben, ansonsten müsste ich mal schauen, ob Böhm nach England versendet...
Noch ist der Brexit nicht umgesetzt. Ein deutsches Unternehmen sollte seine Ware noch ohne Beschränkung und Zollfrei nach England versenden können.

Bist du in England als Instrumentenbauer aktiv? Wenn Ja, darf man fragen ob freischaffend oder angestellt? Als Angestellter kämen ja nicht viele Unternehmen in Frage... :) Ich war dienstlich öfters in England und habe viele Geschäfte und Händler kennengelernt... Kannst mir ja mal eine PN schreiben.
LG, Wolfram
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