Scherzer Tief-Es-Trompete

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Moderator: Die Instrumentenbauer

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Re: Scherzer Tief-Es-Trompete

Beitrag von Singvögelchen » Freitag 29. März 2019, 20:34

Ich habe meine Trompetenmundstückkollektion durchgetestet. Wegen des minimal zu weiten Mundrohrs mit dem Adapter modern-barock. Althornmundstück wäre ne Überlegung hab ich aber im Moment nicht greifbar vor Ort.
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


"Blas schön rein, dann kommts schön raus!"

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Re: Scherzer Tief-Es-Trompete

Beitrag von trumpieter » Samstag 30. März 2019, 14:10

www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/bas ... 83-74-2148

Sehr interessante Beschreibung zum Instrument!
Wird als Kontra-Alt-Trompete für Stellen im Orchester-Repertoire angeboten.
Was ich besonders beachte, ist das fein durchgehende Mundrohr. Bei meinem Exemplar ist das 5-teilig! Am Ende aber mit der normalen MS-Aufnahme für den Trp.-MS-Schaft.

Deutliche höhere Preisvorstellung, dafür offensichtlich recht sauberer Zustand.

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Re: Scherzer Tief-Es-Trompete

Beitrag von trumpieter » Freitag 5. April 2019, 07:43

Was soll ich sagen … seit gestern habe ich nun zwei solcher Instrumente. Sehr interessant! Beide baugleich, nur das eine arg verbastelt, mit 5-fach gestückeltem Mundrohr und nicht ganz gerade angelöteter Mundstückaufnahme einer Bach TR–300; das andere gut erhalten im originalen Zustand. Beide spielbar, dicht mit tadellos funktionierenden Ventilen und Zügen. Der Beschreibung als Ventil–Fanfare scheint gesichert eine Beschreibung als Kontra–Alt-Trompete in Es im Orchestereinsatz, etwa bei Strawinski und Respighi, hinzuzusetzen richtig zu sein.

Trotzdem stand mir eine Überraschung ganz anderer Art bevor. Nämlich die »neuere« klingt deutlich moderner, fokussierter, schlanker, bei sehr guter Intonation aber schwieriger Tiefe. Mit dem gleichen Bach 7C Mundstück hat die »ältere« eine schönere Fülle, Farbigkeit, Formbarkeit und Tiefe. Schnell war der Grund dafür gefunden: bei letzterer sind Messingzüge verbaut, bei ersterer Neusilber. Kurzerhand getauscht (baugleich!), und sieh an, mir scheint nun jede davon einen Vorteil zu haben: die ältere bekommt mit den Neusilberzügen als Gewinn etwas mehr Griffigkeit, die jüngere mit denen aus Messing einen Zuwachs an Fülle und Farbe … so erlebt man mit Deutlichkeit die Auswirkung des Materials, und nun habe ich einen »Baukasten« mit vier verschiedenen Möglichkeiten der Konfiguration.

Frage an die Instrumentenbauer: nun ist im einen Fall beim Tausch der Hauptstimmzug oben 1 cm zu lang (macht eigentlich nichts, denn fürs Einstimmen steht er eh 1 cm hervor), im anderen Fall unten knapp 0,5 cm. Wäre es unbedenklich, dort Anpassungen vorzunehmen? Mit ausreichend Vorsicht vielleicht sogar selbst? Oder könnte es sein, daß sogar die reine Materialmenge am Klang und an der Spielbarkeit mitdrehen könnte?

Mir gefallen nun beide, jede auf ihre Art. Werde wohl einen Doppelkoffer bauen … :lol:

An der Aufnahme mit vergleichender Klangprobe wird gearbeitet. Da ich das erste Instrument mir über zwei Wochen »erarbeiten« mußte, damit aber zunehmend vorankomme, ist nur ein wenig Geduld gefragt.

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Re: Scherzer Tief-Es-Trompete

Beitrag von Wolfram » Sonntag 7. April 2019, 15:07

trumpieter hat geschrieben:
Freitag 5. April 2019, 07:43
... Frage an die Instrumentenbauer: nun ist im einen Fall beim Tausch der Hauptstimmzug oben 1 cm zu lang (macht eigentlich nichts, denn fürs Einstimmen steht er eh 1 cm hervor), im anderen Fall unten knapp 0,5 cm. Wäre es unbedenklich, dort Anpassungen vorzunehmen? Mit ausreichend Vorsicht vielleicht sogar selbst? Oder könnte es sein, daß sogar die reine Materialmenge am Klang und an der Spielbarkeit mitdrehen könnte?
...
Hallo Trumpetier,
Wenn du den Hauptstimmzug für passende Stimmung ohnehin immer 1 cm draußen hast, dann ist das (zu lange) Innenzugrohr eigentlich kein Fehler, denn du ersparst dir eine unnötige "Unruhestelle" im Instrument.
Jeder Zug der ausgezogen wird kann Veränderungen verursachen. 1cm Länge fallen dabei nicht so sehr ins Gewicht. Es sollte deshalb kein Problem darstellen dieses Innenrohr um 1cm zu kürzen. Hast du eine scharfe Säge und einen scharfen Entgrater, dann sollte das auch in eigener Werkstatt möglich sein.
Willst du aber kein unnötiges Risiko eingehen, dann mache einfach einen kurzen Besuch beim nächsten Instrumentenbauer. Die Handgriffe sollten dort in 10 Minuten erledigt sein!
LG, Wolfram
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Re: Scherzer Tief-Es-Trompete

Beitrag von trompetier » Sonntag 7. April 2019, 23:52

Ich will mich auch nochmal zu Wort melden. Interessant ist, dass es von dieser Scherzer-Trompete/Fanfare auch ein Modell in (tief-)B gibt. Wird grade auf ebay angeboten:
https://www.ebay.de/itm/Basstrompete-in ... 3201497486
Für den Zustand für mich zu teuer, aber ein Bieter hat sich ja schon gefunden. Man beachte auch, dass der Anbieter hier Wolfram zitiert und aufs Trompetenforum verweist ;)
Was ich aber eigentlich sagen will: bei diesem Modell sind am 1./3. Zug kleine Ringe angelötet, was doch recht eindeutig auf eine Verwendung im Fanfarenzug hinweisen sollte.

Ich möchte jetzt nochmal kurz das Mundstück ansprechen. Gerade weil Du schreibst, dass Dein Es-Instrument in der Tiefe schwierig zu spielen ist. Da liegt sicher Potential brach, dass Du mit einem grösseren Mundstück erschliessen könntest. Ich mache jetzt mal einen sicher hinkenden Vergleich: wenn ich mit meinem Bach 1 1/4C auf dem Althorn spiele, habe ich in der Tiefe Probleme. Wenn ich mit dem Althornmundstück auf meiner Ventilposaune (in B) spiele (mit "Papieradapter") habe ich in der Tiefe Probleme. Wenn ich mit meinem Tenorposaunenmundstück auf meiner Es-Tuba spiele (mit "Papieradapter"), habe ich in der Tiefe Probleme.
(Um Fragen vorzubeugen: ja, ich habe tatsächlich all diese Instrumente, die sind Teil einer noch nicht abgeschlossenen musikalischen Selbstfindung. Nein, ich spiele nicht alle regelmässig sondern nur sporadisch auf unterem Amateurniveau. Die "Mundstückrotation" machte ich nur zum Jux- um zu sehen, ob ich mit extrem kleinerem Mundstück in der Höhe leichtes Spiel hätte. Was bedingt stimmt, leider war die Intonation dann aber für die Katz...)
Wenn Du diese Instrumente so sehr liebst, dass Du Dir gleich zwei davon kaufst, dann liegt ein Mundstückexperiment doch ggf. noch im Budget? Ein typisches Althornmundstück hätte einen Innendurchmesser von 18,3-20 mm. Der Markt ist etwas unübersichtlich, es ist aber durchaus möglich, dass es Althornmundstücke in Kesselform gibt (soweit ich weiss bietet Platzhirsch Denis Wick nur Trichtermundstücke). Eine Alternative wäre eben ein grösstmögliches Trompetenmundstück. Das Maximum auf Thomann ist das Schilke 24 mit 18,29 mm Innendurchmesser. Auf der Suche nach Mundstücken für Altposaune (bei denen man wohl den Schaft abdrehen müsste) habe ich nichts Interessantes gefunden, da geht es wohl erst bei 22 mm los, was dann schon einem kleinen Tenorhornmundstück entspricht.
Wenn Dir der Händler Deines Vertrauens besagtes Schilke 24 zur Ansicht geben kann, wäre das meines Erachtens einen Versuch wert.

Gruss Trompetier

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Re: Scherzer Tief-Es-Trompete

Beitrag von trumpieter » Donnerstag 18. April 2019, 09:33

Hey … nachdem ich mit beiden Instrumenten genug Erfahrungen sammeln konnte für eine Entscheidung, will ich das Ergebnis hier einmal zusammenfassen. Zur Frage Mundstück haben sich zwei Bach-Größen bewährt: 7C und 1 1/4C, ersteres mit schöner Strahlkraft, letzteres mit vollerem Ton und guter Tiefe.

Ich will beide Instrumente noch mal in Stichworten vorstellen. Die Seriennummern, wenn sie denn durchlaufend auf eine Herstellungszeit schließen lassen, drehen meine ursprüngliche Annahme um: Das verbastelte Horn wäre dann das jüngere, später gebaute.

Instrument A
Serien-Nr. 22 527

https://www.bilder-upload.eu/bild-6776e ... 8.jpg.html

sehr guter, offensichtlich original erhaltener Zustand
durchgehendes Mundrohr für »normale« MS-Aufnahme
Außen- wie Innenzüge Neusilber

eher moderner, leicht spielbarer Klang
gute Intonation


Instrument B
Serien-Nr. 22 948

https://www.bilder-upload.eu/bild-404e2 ... 6.jpg.html

offenkundig »verbastelt«, stark vergilbter Lack über alles (wurde inzwischen entfernt)
Mundrohr 5-teilig gesteckt … 1,8 cm kürzer als bei A!
MS-Aufnahme (von Bach) TR-300, nicht ganz gerade angelötet
Strebe zwischen 3. Ventilzug und Schallstück entfernt
Außenzüge Neusilber, Innenzüge Messing

sehr deutlich anders spielbar als A!
Intonation nicht einfach, Tonbildung variabel, nichts »rastet ein« sondern jeder Ton will gefunden, gebildet und geformt werden! Bei sehr leichtem Ansatz auch bis in den Diskant beherrschbar. Tiefe spricht besser an als bei A. Auffälliger Luftbedarf.

Da ich B bevorzuge wegen ihres eher altertümlichen, weiten und formbaren Klanges, habe ich dieses »häßliche Entlein« erstmal selber überarbeitet: Lack entfernt, wonach auch alle verdächtigen Flecken weg sind; alle Teile penibel gereinigt, sodaß ein insgesamt guter Zustand von Äußerlichkeiten nicht mehr beeinträchtigt wird. Allerdings … an Zylinderventile gehe ich lieber nicht selber ran.

Meine Fragen an die Instrumentenbauer, wenn ich entscheiden will, ob ich eine Werkstatt beauftrage:

1. kann es zu spürbaren Auswirkungen kommen, wenn die fehlende Strebe ergänzt wird?
2. was könnte ein Austausch bei der Mundstückaufnahme bringen, einschließlich Ergänzung auf volle Länge des Mundrohrs (+ca. 1,8 cm)?
3. auch wenn die Ventile keinen Grund zur Beanstandung geben: wie groß wäre der Aufwand für eine Innenreinigung?

Nun allen erfrischende Feiertage wünscht M.

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