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plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Freitag 3. Juli 2015, 18:35
von Mister Carbon
Hallo, ich blase seit 35 Jahren Trompete. Ich blase jeden Tag und spiele in verschiedenen Formationen mit und arbeite als freiberuflicher Trompetenlehrer. Mein Problem ist, dass ich manchmal urplötzlich, von einem Tag auf den anderen, ganz schlechten Ansatz habe. Meine Lippen haben nicht die gewöhne Flexibilität. Die Töne springen ab c2 ganz schlecht an. Also erst Luft und dann kommt der Ton. Am nächsten oder übernächsten Tag ist der Spuck auch wieder vorbei. Der Ansatz kommt dann wieder, oftmals auch nach langem Blasen. Beim Einblasen, bei den Naturtonbindungen, beim Buzzing mit und ohne Mundstück habe ich keine Probleme. Sobald ich dann die Töne stoße, springen sie ab und zu nur verzögert an. Vor einem Jahr habe ich das Mundstück gewechselt. Ich blase jetzt auf einem Bach 1cw. Vorher hatte ich viele Jahre ein DW 1x. Könnte es am Mundstück liegen? Fühle mich allerdings auf dem Mundstück sehr wohl, besonders bei klassischen Stücken.

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Montag 6. Juli 2015, 07:56
von Bixel
Mister Carbon hat geschrieben:Beim Einblasen, bei den Naturtonbindungen, beim Buzzing mit und ohne Mundstück habe ich keine Probleme.
Sobald ich dann die Töne stoße, springen sie ab und zu nur verzögert an.
Deine Schilderungen sprechen m.E. für eine gelegentlich "desorientierte" Zunge, denn den wesentlichen Unterschied scheint ja das Anstoßen der Töne zu machen.

Ich bringe meine gelegentlich "störrische" oder ungelenk agierende Zunge mittels Tripelzungen-Übungen zur Räson ("T-T-K-T-T-K..." und/oder "T-K-T-T-K-T...").
Zwar habe ich (als Jazz-Spieler) für den Einsatz der Mehrfachzunge kaum eine musikalische Verwendung (und übe sie daher auch nicht kontinuierlich).
Ich schätze solche Übungen aber als "Reparatur-Tool" für ein gelegentlich auftretendes "Syndrom der plumpen Zunge".

Solcherlei Übungen eignen sich nach meiner Erfahrung sehr gut, um die Zunge daran zu "erinnern", wie wenig Bewegung sie im Idealfall vollführt.

Tendenziell veranstaltet man nach meiner Beobachtung mit der Zunge gern unnötig "viel Getöse".
Allein der Begriff "Anstoßen" suggeriert m.E. viel mehr "Action" als tatsächlich gewünscht ist.
Das Anstoßen ist nach meiner Wahrnehmung lediglich ein definiertes Freigeben des Luftstroms.

:roll:

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Montag 6. Juli 2015, 11:54
von MrLargo
Ich kenne derartige Ansatzverluste auch. Gründe dafür kann es viele geben. Zusätzlich zu dem, was Bixel zur Zunge gesagt hat (hat bei mir auch schon geholfen), würde ich mich auch um die "Feinjustierung" der Lippen kümmern sowie um die Atmung:

Lippen: Mir helfen die Strength-Übungen von John Daniel sehr.

Insbesondere die Übung ab 3:30 Minuten im Video ist für mich gut geeignet. Ich beginne im Fünftonraum von c1, dann von cis1, h, d1, a ... (chromatisch rauf runter). Warum es mir hilft? Mein Ansatz wird fokussierter. Zumeist kämpfe ich eher mit einer zu großen Lippenöffnung. Die Übung spiele ich übrigens meistens mp-mf, auf keinen Fall lauter.

Atmung: Wenn ich körperlich verspannt bin, schlägt sich das bei mir sehr in der Atmung nieder. Hilfreich finde ich die Ausführungen von James Morrison:

Ab 2:30 Minuten wird es für mich sehr interessant. Ergänzend zu dem, was James Morrison sagt, finde ich es sehr sinnvoll, beim Trompetespielen mal den ganzen Körper "innerlich" abzuchecken und genau zu spüren, wo Verspannungen sind, wie man sie lösen kann. Das heißt, den Stand kontrollieren, Kopfhaltung, Nacken (bei mir sehr oft verspannt), Beine/Knie... Das mache ich immer bei Übungen, die ich sehr gut kenne. Das Kontrollieren sollte beim Spielen stattfinden, nicht "trocken", denn manchmal verspannt man sich schon beim Ansetzen der Trompete oder spätestens in einer etwas höheren Lage.

Vielleicht helfen dir die Impulse.

LG
MrLargo

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Montag 6. Juli 2015, 20:46
von Sandkuchen
Wenn es einen Zusammenhang mit dem Anstoß gibt, könntest Du das Einblassen mit einer Mischung aus Luft- und Zungenstoß beginnen. Die legendären Sixnotes von Carmin Caruso. https://www.youtube.com/watch?v=SGgOhVms-Zk (Beispiel mit Horn)
Du spielst in Tempo 60 zwei Halbe und ein Ganze und dann ein Takt Pause, dann chromatisch aufwärts. Der erste Ton wird ohne Stoß gespielt die beiden anderen weich gestoßen. Es startet mit g´ bis zum c´´, dann wiederholen. Als ich das vor ca. 30 Jahren gelernt hatte, hat mein Lehrer das Fusstippen und unterteilte Zählen weggelassen. Das gehört aber wohl sehr zentral zum Konzept. Ich sollte damals durch die Nase einatmen und die Restluft jeweils in der Pause ausatmen.

Ich kann die totale Begeisterung nicht wirklich nachvollziehen. Finde die Übung sehr gut, wenn man Zeit hat und sich einspielen will.

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Montag 6. Juli 2015, 20:49
von Sandkuchen
Hier die Beschreibung von Markus Stockhausen http://www.aktivraumverlag.de/media/dat ... ruso_1.pdf

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 00:03
von Singvögelchen
So plötzlich auftretende Ausfälle sind ja richtig schrecklich und haben garantiert auch gewaltige Auswirkungen für das mentale Gerüst. Die Folgen davon schlagen sich halt ganz individuell bei jedem anders nieder, aber erfahrungsgemäß leidet die Atmung immer. Hals und Zunge, auch die Lippenöffnung sind weitere Folgebaustellen. Da wird das TF gar nicht reichen.

Für die Schnelle: buzze und spiel anfangs mal mit einer leichten Flatterzunge, da brauchst du ordentlich Luft, eine gute stabile Lippenspannung und eine gut im Mund liegende Zunge, bei der nur der vorderste Teil "flattert". Nutze ich mittlerweile täglich zum wohlfühlen.

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 08:08
von OndraJ
Ich habe ähnliche Probleme wenn ich...
...zuwenig trinke. 2-3 Liter Wasser und alles ist guts.
...vor dem Spielen was salziges esse, Chips,...
...mental nicht fit bin. Z.B. wenn ich in kurzer Zeit noch schnell mein Programm durchbringen will. Da bringt es mehr, sich 5 min hinzusetzen, ruhig atmen und die Gedanken zu fokusieren, als hastig zu Üben.
...verspannt bin, z.B. nach sportlicher Betätigung, schwerer Arbeit. Vorallem Verspannungen im Nacken/Schulter Bereich machen mich unflexibel.

Das sind Punkte, die sich merklich auf mein Trompetenspiel auswirken. Nicht dass ich gar nicht spielen kann, aber ich merke es.

Klingt komisch, ist aber so.

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 09:31
von Blas!
Singvögelchen hat geschrieben:(...)Für die Schnelle: buzze und spiel anfangs mal mit einer leichten Flatterzunge, da brauchst du ordentlich Luft, eine gute stabile Lippenspannung und eine gut im Mund liegende Zunge, bei der nur der vorderste Teil "flattert". Nutze ich mittlerweile täglich zum wohlfühlen.
Da befindest du dich in bester Gesellschaft, denn M. Höfs praktiziert/empfiehlt dies (Flatterzunge) wohl ebenfalls:

http://www.trompetenforum.de/TF/viewtop ... fs#p111459

Grüße

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 13:59
von herzbert
Bei EINER Sache und EINEM Lehrer zu bleiben, das hilft auch.
So würde ich z.B. dem singvögelchenl vollkommen Vertrauen und zunächst dabei bleiben.

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 14:20
von Hochwälder
Leider ist nicht jeder im Stande, mit Flatterzunge zu spielen.... :?

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 14:47
von buddy
Blas! hat geschrieben:Da befindest du dich in bester Gesellschaft, denn M. Höfs praktiziert/empfiehlt dies (Flatterzunge) wohl ebenfalls
David Bilger geht in seinem Video ebenfalls auf den Wert der Übung ein.
http://playwithapro.com/video/online-tr ... ol-1-and-2

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 14:56
von herzbert
Folgende Möglichkeit dem abzuhelfen-
Ob es mir jemand aus dem Forum erklären kann (ev. singvögelchen selbst) oder ob es ein Video dazugibt oder auch per Skype.

Und jetzt Werbung.
Ob Bläserurlaube in OÖ (Flatterwochen) solche Dinge lehren, kann ich noch nicht sagen.

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 15:24
von Bixel
herzbert hat geschrieben:Ob es [das Zungenflattern] mir jemand aus dem Forum erklären kann...
Versuch einer Anleitung:

Bei offenem Mund die Zunge in der Postion halten, in der man ein "D" (wie in Dora) beginnt!
Dann den Luftdruck langsam erhöhen und gleichzeitig mit dem Druck der Zunge gegen den Gaumen experimentieren, bis sich der gewünschte Effekt einstellt ("D-R-R-R-R-R...")!

Es geht dabei um das Erzielen einer "schwingungsfreundlichen" Balance zwischen dem Luftdruck und der Zunge-Gaumen-Öffnung, die m.E. sehr der Balance ähnelt, die wir beim Buzzing zwischen Luftdruck und Lippenöffnungsspannung herstellen.

Wenn die Flatterzunge bei offenem Mund beherrscht wird, kann man sie anschließend mit dem Buzzing kombinieren.

Berichte 'mal, ob dir das weiterhilft!

:Winke:

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 17:43
von herzbert
Das habe ich wieder geschickt eingefädelt :gut:

Re: plötzlicher Ansatzverlust

Verfasst: Dienstag 7. Juli 2015, 22:44
von Singvögelchen
Blas! hat geschrieben:
Singvögelchen hat geschrieben:(...)Für die Schnelle: buzze und spiel anfangs mal mit einer leichten Flatterzunge, da brauchst du ordentlich Luft, eine gute stabile Lippenspannung und eine gut im Mund liegende Zunge, bei der nur der vorderste Teil "flattert". Nutze ich mittlerweile täglich zum wohlfühlen.
Da befindest du dich in bester Gesellschaft, denn M. Höfs praktiziert/empfiehlt dies (Flatterzunge) wohl ebenfalls:

http://www.trompetenforum.de/TF/viewtop ... fs#p111459

Grüße
Genau daher stammt der Tipp tatsächlich, hat der Meister mal bei einem Kurs mit meinen Schülern durchexerziert, eventuell war ich aber der Einzige, der damit was anfangen konnte. Flatterzunge ist tatsächlich nicht jedermanns Sache, da muss man ein bisschen an sich selbst rumprobieren, so ähnlich habe ich mir als Kind auch das laute Pfeifen mit den Fingern beigebracht. Obertonsingen ähnlich...probieren, bis es einrastet.
Ein Zungen-R, ganz vorn mit der Spitze (spanisch-italienisch) gerollt kommt der Flatterzunge wohl am nächsten. Das Sächsische "oa" wie in "Oulaff Schuhboadd" anstatt eines deutlichen "R" ist kontraproduktiv. Die Zunge sollte aber im mittleren Bereich bei den Backenzähnen möglichst in einer festen/steifen Form anliegen, damit im Bereich der Spitze Platz zum Flattern ist.
Fürchterliche :oops: Erklärungsversuche, ich merk es gerade...einfach nachmachen, wie kleine Kinder sprechen und singen lernen, bissel probieren, wird schon. Kann man in Ruhe beim Autofahren machen.