Zunge beeinflusst...zweiter Versuch

Ansatzfragen, Welche Methode ist die beste,
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Singvögelchen
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Zunge beeinflusst...zweiter Versuch

Beitrag von Singvögelchen »

Hallo Leute, fröhliche Weihnachten noch allerseits.
Ein bisschen Lektüre habe ich zusammengetragen, hoffe, damit den einen oder die andere ein wenig zum Schmökern anzuregen. Die "Originalzitate" habe ich mühevoll abgetippt, die Bücher stehen alle bei mir im Regal. Bei den moderneren Werken habe ich nur sinngemäß wiedergegeben, wens interessiert, der findet die Originale schnell und einfach. Kein Zutrauen in einschlägige TF User wegen eventueller Urheberrechtsverletzungen.
Der Parallelthread ist mir leider etwas zu unflätig geworden. Mal sehen, ob es hier und jetzt besser läuft.

Hier also meine best-of-list zum Thema Ansatz-Zunge usw aus 5 Jahrhunderten:

1614 Cesare Bendinelli
Wenn man zu spielen beginnen will, nehme man die Trompete mit Anmut an der Mund, wobei darauf zu achten ist, dass das Schallstück ganz gerade steht…Das Aufblasen der Backen, was eine sehr schlechte Angewohnheit ist und den Bläser verunstaltet, soll vermieden werden. Man lerne dann, die Kinnpartie (barbozzo) bei den Tönen in hoher Lage zu führen, was die Trompete betonen heißt und ihr Anmut verleiht. Wenn das gelungen ist und man alle Noten gut zu bilden weiß, kann man dann lernen, mit der Zunge zu singen und zu spielen…wenn nur der Spieler es leicht findet und sich daran gewöhnt, weil er damit das Instrument erforschen und zu den Sachen von größerer Wichtigkeit übergehen kann.

1638 Girolamo Fantini
Anweisungen für diejenigen, die die Trompete musikalisch (spielen) lernen möchten…
Die Spieler dieses Instrumentes müssen mit Zungenschlag blasen, weil das Blasen mit dem Atem allein keinen vollkommenen Ton bildet. …und kommt der groppo vor, so ist er mit gestoßener Zunge zu schlagen. Der trillo jedoch wird mit vollem Atem gemacht und mit der Kehle geschlagen…


1795 Johann Ernst Altenburg
Zu einem guten oder schlechten Tone sollen, nebst dem Ansatze und Mundstücke, auch die Stimme und Sprache des Blasenden das ihrige beytragen. Man hält nemlich dafür, daß nach Beschaffenheit einer stärkern oder schwächern, hellern oder heiserern, höhern oder tiefern Stimme, auch der Klang des Instrumentes stärker oder schwächer, heller oder heiserer, höher oder tiefer gebildet werde. Ob diese Meinung hinlänglich auf Erfahrung gegründet sey, wollen wir unentschieden lassen.

1857 Jean Baptiste Arban (Hofmeister-Ausgabe legato S. 28)
Um ein gutes Legato zu erreichen, blase man die tiefere Note zunächst leise an, lasse sie anschwellen, und gehe im Augenblick der größten Tonstärke auf die hohe Note über, indem man das Mundstück leicht gegen die Lippen andrückt.
An dieser Stelle braucht meine Interpretationsfähigkeit die größte Fantasie, denn wenn ich das wortwörtlich nehme, kriege ich die prachtvolle und elegante französische Trompetentradition mit dieser Erklärung nicht überein. Als absolut aktive Luftführung betrachtet allerdings passt alles ganz wunderbar zusammen.

1915 Herbert L. Clarke characteristic studies S.5/6 und 9/10
Nicht so prominent wie die technical studies sind hier zum ersten Mal die heute allerorts bekannten Vokalisationssilben unterlegt und beschrieben.

1936 Max Schlossberg daily drills
Im Vorwort von Harry Freistadt wird die außerordentliche Bedeutung der verschiedenen Vokalisationen betont.
Im ansonsten nahezu erläuterungsfreien Werk von Schlossberg wird dieses Prinzip auf der Einführungsseite immerhin in zwei Notenzeilen erklärt.

1975 Pierre Thibaud Nouvelle technique de la trompette
Da ist praktisch das gesamte Heft voll mit Informationen zu den verschiedenen Vokalbildungen in Verbindung zur Tonhöhe. Hat bei mir seinerzeit den größten Erkenntnisgewinn beschert.

1978 James Stamp
Der geht nun wieder fast gar nicht darauf ein, macht viele andere nützliche Sachen, die weltweit etabliert sind.

1980 Charles Colin
In den lip flexibilities (Gesamtausgabe ab S. 73) wird seitenlang der Einfluss der Zunge erklärt.

1980 Rolf Quinque
In der ASA Methode sind die Vokalisationssilben genauestens beschrieben.

1984 Hans Liebmann
Im Kapitel Funktionsübungen zum Anblas-Anstoß gibt es ausführliche Erläuterungen zu den Vokalisationen.

1991 Konradin Groth
Das komplette Kontrastprogramm: er erwähnt zwar ganz kurz die Vokalisationssilben, rät allerdings von deren Anwendung ab, weil er befürchtet, dass der Leser des Büchleins bei allzu wörtlicher Umsetzung die Stimmbänder mit in Bewegung setzt.

2009 Stefan Dünser Trompetenfuchs Band 3
Auf Seite 5 gibt es hier drei Fotos eines Trompeters der Champions League zum Thema: Wie funktioniert ein richtiger Ansatz? Auch in drei verschiedenen Oktavlagen sind kaum Unterschiede zu erkennen. Das Fazit dazu lautet, dass die entscheidenden Dinge im Mundraum und im Körper passieren.
So funktioniert moderne Trompetenmethodik auch im Anfängerunterricht.

2014 Patrick Henrichs Barocktrompetenschule
Dieses Buch ist prall gefüllt mit modernsten methodischen Erkenntnissen. Extrem gewinnbringend auch für Trompeter anderer Genres. Auf Seite 28 wird das Prinzip des „Luftflüsterns“ beschrieben, schließt ab mit dem fett und rot gedruckten Satz: „Diese Wirkungsweise ist ein Grundprinzip der Blastechnik“.

Bin gespannt auf Ergänzungen und eigene Erfahrungen zum Thema.
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


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Dobs
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Re: Zunge beeinflusst...zweiter Versuch

Beitrag von Dobs »

Eine tolle Zusammenstellung!
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Singvögelchen
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Re: Zunge beeinflusst...zweiter Versuch

Beitrag von Singvögelchen »

https://r.search.yahoo.com/_ylt=AwrIS.U ... Dc58_ujUY-

Dieser Nachschlag sei allen ernsthaft Interessierten ans Herz gelegt, eine wahrhaftige Goldgrube an Gedankenspielen rund ums Blechblasen. Da kommen alle relevanten Themen dran, super interessant, versprochen!!!
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


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