Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschichte.

Hier geht es um Improvisieren , Stilistik , halt alles was mit Jazz bzw. Moderner Musik zu tun hat

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Bixel
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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschicht

Beitrag von Bixel »

canu hat geschrieben:Die Musike kann ich nicht beurteilen, habe ich mir noch nicht angehört.
Soweit es Single-Note-Improvisation betrifft, gilt für mich dasselbe.
canu hat geschrieben:was soll daran lustarm und blutleer sein, wenn man sich seinen Leidenschaften (Informatik, Mathematik und Musik) hingibt.
Unter Umständen zumindest das Ergebnis aus Perspektive des jazzmündigen Zuhörers.

Nach meiner Erfahrung als Jazzmusiker und -vermittler kommt bei der Jazzimprovisation der Balance zwischen Intellekt einerseits und Emotion/Intuition andererseits wesentliche Bedeutung zu.

Mein Eindruck ist, dass hier die Balance extrem - beinahe schon karikaturhaft - in Richtung Intellekt verschoben ist.

Ich fühle mich erinnert an die Soloist-Funktion von Band-in-a-Box, die zwar programmiertechnisch m.E. sehr beeindruckend ist, aber - im eigentlichen Sinne - keinen (improvisierten) Jazz hervorbringt.

:?
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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschicht

Beitrag von canu »

Bixel hat geschrieben: Ich fühle mich erinnert an die Soloist-Funktion von Band-in-a-Box, die zwar programmiertechnisch m.E. sehr beeindruckend ist, aber - im eigentlichen Sinne - keinen (improvisierten) Jazz hervorbringt.
:?
Oh, ja. Habe die Funktion bei Band in a Box vor einigen Jahren gehört und fand die Ergebnisse sehr langweilig. Das so etwas möglich ist, war dennoch beeindruckend.
Ein Solo zu kritisieren fällt mir aber in der Regel auch viel leichter als eines zu spielen. 8)

Viele Grüße
canu
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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschicht

Beitrag von OldEmo »

Bixel hat geschrieben:
Jazzy Listening hat geschrieben:Ich habe meinen Zugang über die von mir geschilderte Methode (Mathematik und Informatik) gefunden. Meine Methode ist mit Sicherheit formal und nicht so sehr von Inspiration und Gehör geprägt.
(...)
Jeder muss seinen eigenen Weg im Jazz finden.
Nun ja: Wichtig ist, "was hinten raus kommt".

Was mir auffällt, ist, dass in dem Land, dessen Bewohner laut Klischee in besonderer Weise für Disziplin, Gründlichkeit, Ordnungssinn und Pflichterfüllung bekannt sind, die Bereitschaft recht groß zu sein scheint, sich dem Musizieren auf eine mechanische, theorielastige, formalistische, mithin eher lustarme und blutleere Weise zu nähern.

Wird aus dem Land der Dichter und Denker womöglich das Land der Denker?

:?
Als Informatiker ist man es gewohnt, Strukturen, Systeme und Abläufe zu erkennen, zu abstrahieren und zu formalisieren, völlig unabhängig von Zweck und Umgebung. Sinn der Sache ist meistens Automatisierung und/oder Optimierung. Die Methoden der Informatik sind aber universelle Werkzeuge. In diesem Fall ist das Ziel ein anderes, nämlich ein besseres Verständis, wie Jazz funktioniert - für Informatiker und Mathematiker.

Westliche Notation und Harmonielehre sind voller Redundanzen, die das Verständis auf formaler Ebene nicht eben fördern. Speziell Anfänger tun sich damit schwer. Durch viel zuhören und nachmachen kann man, gewisse Begabung und viel Zeit vorausgesetzt, Jazz intuitiv lernen, auch ohne formales Verständnis. Man kann ihn dann aber nicht formal beschreiben oder verstehen, man kann "nur" vorspielen und sagen, daß es eben so ist wie es ist. Das reicht dem Informatiker aber nicht.

Es haben vielleicht einige hier falsch verstanden, was der Zweck der Übung ist. Das besagte Programm, das aus einer Datenbank heraus Soli erzeugen kann, die bestimmten formalen Definitionen genügen ist m.E. nicht mehr als der hörbare Nachweis, daß das entwickelte Modell der Jazzimprovisation die Realität mehr oder weniger gut abbildet und daß sich dieses Modell daher eignet, Jazzimprovisation den Menschen zu erklären, die zwar solche Modelle verstehen aber eben keine ausgebildeten Musiker sind.

Ich finde diesen Ansatz ausgesprochen interessant und begrüßenswert.

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Bixel
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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschicht

Beitrag von Bixel »

OldEmo hat geschrieben:Es haben vielleicht einige hier falsch verstanden, was der Zweck der Übung ist. Das besagte Programm, das aus einer Datenbank heraus Soli erzeugen kann, die bestimmten formalen Definitionen genügen ist m.E. nicht mehr als der hörbare Nachweis, daß das entwickelte Modell der Jazzimprovisation die Realität mehr oder weniger gut abbildet und daß sich dieses Modell daher eignet, Jazzimprovisation den Menschen zu erklären, die zwar solche Modelle verstehen aber eben keine ausgebildeten Musiker sind.

Ich finde diesen Ansatz ausgesprochen interessant und begrüßenswert.
Die Jazzimprovisation zum Versuchs-/Anschauungsobjekt für Mathematiker/Informatiker zu machen, finde ich vollkommen in Ordnung, interessant und begrüßenswert.

Wenn aber jemand ein Skript mit dem Titel "Einführung in leichte Jazzimprovisationen" in einem Musiker-Internetforum anbietet und durchblicken lässt, er selbst habe über genau diesen Approach erfolgreich einen (gar professionell nutzbaren) Zugang zur Jazzimprovisation gefunden, komme ich nicht umhin, auf der Grundlage meiner persönlichen Erfahrungen als Musiker und Lehrer vor einem solchen Lernmodell eindringlich zu warnen.

Eine solche Warnung meine ich jedem nach Anleitung Suchendem schuldig zu sein, wie ich auch regelmäßig vor blastechnischen Konzepten warnen zu müssen meine, die beim Betroffenen m.E. fahrlässig die Priorität des Musikalischen gefährden.

:?
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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschicht

Beitrag von OldEmo »

Bixel hat geschrieben: Die Jazzimprovisation zum Versuchs-/Anschauungsobjekt für Mathematiker/Informatiker zu machen, finde ich vollkommen in Ordnung, interessant und begrüßenswert.

Wenn aber jemand ein Skript mit dem Titel "Einführung in leichte Jazzimprovisationen" in einem Musiker-Internetforum anbietet und durchblicken lässt, er selbst habe über genau diesen Approach erfolgreich einen (gar professionell nutzbaren) Zugang zur Jazzimprovisation gefunden, komme ich nicht umhin, auf der Grundlage meiner persönlichen Erfahrungen als Musiker und Lehrer vor einem solchen Lernmodell eindringlich zu warnen.

Eine solche Warnung meine ich jedem nach Anleitung Suchendem schuldig zu sein, wie ich auch regelmäßig vor blastechnischen Konzepten warnen zu müssen meine, die beim Betroffenen m.E. fahrlässig die Priorität des Musikalischen gefährden.

:?
Ich verstehe Deine Bedenken schon. Das Skript habe ich noch nicht gelesen, werde es aber versuchen. Ob es Sinn macht kann ich nicht nach dem Titel beurteilen. Ich glaube aber kaum, daß es dem Verfasser um das Jazz-Pendant zum Malen nach Zahlen geht. Als Autodidakt schau ich mir alles erst mal an, irgendwas ist eigentlich immer zu gebrauchen.

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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschicht

Beitrag von Blind Wolf »

Computer spielen Musik, die von Computern erstellt wurde. Das ist nicht zu verhindern, aber auch nicht zu begrüßen. Vielmehr ist darauf zu achten und dafür zu sorgen, dass das nicht zum Standard wird.
Möge der Krach mit euch sein!
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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschicht

Beitrag von OldEmo »

Blind Wolf hat geschrieben:Computer spielen Musik, die von Computern erstellt wurde. Das ist nicht zu verhindern, aber auch nicht zu begrüßen. Vielmehr ist darauf zu achten und dafür zu sorgen, dass das nicht zum Standard wird.
Vielleicht sollte mal eine Jazz-Combo Musik spielen, die von Computern erstellt wurde. Das hätte was. :ironie:

Jeder noch so unfähige Mensch kann irgendwelche Töne von sich geben und sagen, es sei Musik. Das ist in Ordnung, Geschmackssache oder egal. Aber wenn man einen Computer dazu bringt, tatsächlich Musik zu machen, auch wenn sie langweilig ist, oder noch schlimmer, womöglich doch nicht so langweilig, dann ist das nach Möglichkeit zu verhindern. Dazu kann ich nur sagen: mach's besser, Problem gelöst.

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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschicht

Beitrag von Magic Trumpet »

Dafür konnte der Typ barfuß über's Wasser laufen - da würde auch ich die Trompete an den Nagel hängen.

Bei minus 10°C kann ich das auch... :D
Gruß

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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschichte.

Beitrag von Magic Trumpet »

Sollten wir das Thema wieder beleben?
Gruß

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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschichte.

Beitrag von Singvögelchen »

Och nööö, Jazz ist nicht meine Leidenschaft.
Aber evtl ist jemand anderer Meinung???
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


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Re: Wie Jazz "lernen" bei Wiedereinstieg - kuriose Geschichte.

Beitrag von uhexer »

Gerne, aber mit welcher konkreten Fragestellung?
Hier ist ja schon einiges ausführlich erörtert...
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