Hardenberger

Hier geht`s um die klassischen Stücke,Märsche,Techniken etc.

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duden
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Hardenberger

Beitrag von duden » Donnerstag 24. Januar 2013, 23:48

Ich komme grad aus dem Prinze, Hakan Hardenberger spielte mit dem Münchener Kammerorchester "The endless Parade" von Harrison Birtwistle. Was soll ich sagen: Ohne den Kollegen hier im Forum nahetreten zu wollen, ich glaube nicht, dass einer darunter ist, der auch nur daran denken könnte, das mal zu probieren. Überhaupt gibt es auf der ganzen Welt wahrscheinlich nur eine Handvoll Trompeter, die das bühnenreif hinkriegen würden. Keine oberflächliche Virtuosität, sondern sehr musikalisch und einfach sauschwer. Hardenberger (für den das Stück 1987 komponiert wurde) spielte eine C-Trompete. Tonumfang: Pedal bis (visuell geschätzt) g´´´/a´´´, auch als freie Einstiege. Dazu wahnwitzige Sprünge/Bindungen, Zunge, Finger, alles. Das Ganze perfekt, es gab zwei kleine Momente, wo ich dachte: Jetzt kiekst es gleich. Tat es aber dann doch nicht, oder er hat so souverän drübergespielt, das man auch meinen hätte können, es sei ein Vorschlag oder so was gewesen. Was mich aber am meisten beeindruckt hat: Er kann die Klangfarbe unabhängig von Lautstärke und Höhe modulieren. Also z.B. laut und hoch spielen, aber trotzdem dunkel klingen. Oder tief und leise, aber trotzdem strahlen. Unglaublich. Zwischendurch hat er sogar noch ein bisschen getänzelt (und vorher die schwierigsten Stellen mit dem Dämpfer in der Armhöhle gespielt, weil keine Zeit war, ihn aufs Pult zurückzulegen). Später traf ich einen Kollegen, der Hardenberger persönlich kennt. Der erzählte, dass Hardenberger selbst findet, das Konzert sei eines der schwersten. Er habe aber ein Problem damit, einem Komponisten zu sagen: "Das geht nicht." Muss er nicht haben - bei ihm geht´s dann halt doch. Ich bin platt und begeistert.


Hier http://www.universaledition.com/Sir-Har ... /work/2298 gibt´s einen kleinen Ausschnitt, der aber nicht im entferntesten zeigt, wie schwierig das Ding tatsächlich ist.
I didn't try to be primitive, I just had bad microphones.

Blas!
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Re: Hardenberger

Beitrag von Blas! » Freitag 25. Januar 2013, 08:13

Hallo duden,

beeindruckender Bericht, vielen Dank dafür. Hardenberger ist ein Weltklassetrompeter mit einem überwältigenden Können. Ich verfolge seine Karriere, seit seine erste CD auf den Markt kam (mit dem unvermeidlichen Haydn/Hummel-Debut). Muss Mitte der 1980er-Jahre gewesen sein.

Er hat sich dann relativ zügig vom "Mainstream" entfernt und sich - im Wege einer klaren Fokussierung und Spezialisierung - um die Fortentwicklung des zeitgenössischen Trompetenrepertoires verdient gemacht wie kaum ein zweiter Trompeter.

Den Birtwistle hat er auch auf der CD "Endless Parade" eingespielt. Für mich bislang kaum vorstellbar, dass das jemand live spielen könnte.

Die von dir beschriebene Wandlungsfähigkeit des Klanges in allen Lagen (und über alle Dynamikstufen hinweg) beeindruckt mich noch mehr als der reine Tonumfang, über den Hardenberger verfügt. Beides in Kombination macht seine Weltklasse aus.

Grüße
Blas!

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Re: Hardenberger

Beitrag von trompeteinberlin » Freitag 25. Januar 2013, 10:53

Nur der Vollständigkeit halber, die Haydn/Hummel CD war nicht seine erste. Es war die erste bei Philips. Es gibt eine frühere auf dem Label BIS, mit Honegger, Maxwell Davies usw.

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Re: Hardenberger

Beitrag von Blas! » Freitag 25. Januar 2013, 11:02

trompeteinberlin hat geschrieben:Nur der Vollständigkeit halber, die Haydn/Hummel CD war nicht seine erste. Es war die erste bei Philips. Es gibt eine frühere auf dem Label BIS, mit Honegger, Maxwell Davies usw.
Hallo trompeteinberlin,

vielen Dank für den Hinweis, diese CD kannte ich nicht (vielleicht war ich da noch zu jung, um mir CDs kaufen zu können :D ). Die Haydn-/Hummel-CD müsste so um 1986/1987 erschienen sein.

Ist aber interessant, dass er gleich mit einer "modernen CD" debütierte. Heutzutage muss ja jeder erstmal einen Haydn und einen Hummel einspielen, bevor er/sie etwas weniger Gängiges herausbringen darf...

Grüße
Blas!

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Re: Hardenberger

Beitrag von trompeteinberlin » Freitag 25. Januar 2013, 11:31

@blas
Die erste CD ist 1984 aufgenommen,mit Roland Pöntinen am Flügel. Ich finde es auch interessant, dass er nicht gleich mit den Schlachtrössern angefangen hat. Die CD lohnt sich
Grüsse

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Re: Hardenberger

Beitrag von dizzyoliver » Freitag 25. Januar 2013, 13:35

Hardenberger hat eine wirklich beeindruckende Karriere gemacht,gehört zur absoluten Elite der Solisten im Bereich der Klassischen Musik.Sein Einsatz für neue Werke,aber auch viele Auftragskompositionen an Komponisten ist ebenfalls bemerkenswert.Hier mal eine kleine Auswahl an CDs,die es sich lohnen würde zu kaufen und zu hören :

http://www.amazon.de/Trompetenkonzerte- ... 10&sr=1-13

http://www.amazon.de/Lidholm-Jennefelt- ... 10&sr=1-14

http://www.amazon.de/Hardenberger-spiel ... 69&sr=1-20

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Re: Hardenberger

Beitrag von triamarathoni » Freitag 1. Februar 2013, 15:09

Ich kann mich hier nur meinen Vorrednern anschließen. Ich war vor 2 Wochen oder so bei ihm. Da spielte er unter anderem was von Gruber. 3 verschiedene Instrumente, x Dämpfer....locker, lässig.
Mein Lehrer meinte "Ich hab ich wohl 5 Mal gesehen. Ich geh da nicht mehr hin. Der Mann macht einfach nie Fehler :) !"

Ich kenne auch einen ersten Violinisten eines großen Berliner Orchesters sehr gut. Der ist auch immer total begeistert. Er meint, das der selbst bei den Proben keinen Kiekser macht. Trifft einfach immer :D Selbst wer mit Gruber, Turnage,
Henze, Berio......nichts anfangen kann.....ich würde es einfach empfehlen. Der Kerl kanns einfach!

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Re: Hardenberger

Beitrag von Sandkuchen » Freitag 1. Februar 2013, 17:14

Hardenberger ist für mich ein herausragenden Musiker. Ich habe ihn in den letzten Jahren viermal live gehört.

Zu letzt mit der Brass Band von WDR-Musikern (ein Projekt) unter der Leitung von Elgar Howard mit einem Solokonzert von Howard. Das fand ich enttäuschend.

Zweimal habe ich ihn mit modernen Tromptenkonzerten gehört. Es war beeindruckend, aber die Konzert haben mich nicht begeistert.

Grandios war sein Konzert mit Simon Preston. Trompete und Orgel in der Kölner Philharmonie, u.a. Die Fenster von Petre Eben. Ein ganz herausragendes Konzert. Tolles Programm und teilweise überirdisch gespielt.
triamarathoni hat geschrieben:Ich kenne auch einen ersten Violinisten eines großen Berliner Orchesters sehr gut. Der ist auch immer total begeistert. Er meint, das der selbst bei den Proben keinen Kiekser macht. Trifft einfach immer :D Selbst wer mit Gruber, Turnage,
Henze, Berio......nichts anfangen kann.....ich würde es einfach empfehlen. Der Kerl kanns einfach!
In zwei der Konzerte hat er definitiv Fehler drin gehabt. Das finde ich aber nicht schlimm, weil er Musik mit Risiko spielt und kein 08/15-Programm.

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Re: Hardenberger

Beitrag von Blas! » Freitag 1. Februar 2013, 17:41

Sandkuchen hat geschrieben:In zwei der Konzerte hat er definitiv Fehler drin gehabt. Das finde ich aber nicht schlimm, weil er Musik mit Risiko spielt und kein 08/15-Programm.
:gut:
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Re: Hardenberger

Beitrag von trompeteinberlin » Samstag 2. Februar 2013, 20:59

@sandkuchen,
und willst Du jetzt definitiv dein Geld zurück?????
Dieses Fehlergesuche kotzt mich an!!!!!!
Dann hör halt nur CD.
Und wenn Du es nicht schlimm fändest,dann würdest Du kein Wort drüber verlieren.

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Re: Hardenberger

Beitrag von Blas! » Samstag 2. Februar 2013, 21:09

@trompeteinberlin:

Er schreibt doch, dass er es besser findet, wenn jemand voll auf Risiko spielt. Warum regt dich das auf?

Besser voll auf Risiko mit ein paar Fehlerchen als fehlerlos und (vor lauter Sicherheitsdenken) ausdruckslos.
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Re: Hardenberger

Beitrag von trompeteinberlin » Samstag 2. Februar 2013, 23:00

es regt mich auf,weil es das ist was am Ende stehen bleibt.
Wenn die 2 Fehler nicht schlimm waren,warum werden sie dann erwähnt??? Oder werden sie erwähnt um zu zeigen"hey Leute,ich kenne das Stück,da hat er sich aber vertan". Das ist so nervig,und es sagt sagt so viel aus,ach egal.
Wir wissen jetzt alle,Sandkuchen hat gehört,dass Hakan Hardenberger 2 Fehler gemacht hat,definitiv! Oh stop,falsch gelesen,es waren Fehler in zwei Konzerten,sollten womöglich mehr als 2 Fehler gewesen sein.
Vielleicht reagiere ich über,weil es einfach so oft vorkommt,ich finde es armselig.

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Re: Hardenberger

Beitrag von dizzyoliver » Samstag 2. Februar 2013, 23:17

Sehe es doch einfach mal ganz nüchtern als Feststellung!!!

Wer öffentlich gegen Geld auftritt,muss damit rechnen,dass die Leute etwas positiv oder negativ finden,das ist selbst als Aushilfe im Musikverein Hintertupfing völlig normal,warum also nicht bei Herrn Hardenberger?Es soll die Leistung dieses großartigen Trompeters nicht schmälern,im Gegenteil.Es zeigt nur,dass auch solche Asse menschlich sind und eben auch winzigkleine Fehler machen.

Mir hat mal ein Schlagzeuger erzählt,dass man einen Kollegen dafür kritisiert hat,dass er gewisse Schläge nicht oder anders spielen würde als es im "Original" bekannt wäre,bzw. stehen würde.Diese Schlagzeuger antwortete dann,es gäbe eine "künstlerische Freiheit",die ihm es ermöglichen würde,Dinge eben anders aufzufassen,als es bei Aufnahme X oder Y gespielt wurde.

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Re: Hardenberger

Beitrag von trompeteinberlin » Samstag 2. Februar 2013, 23:35

Ich sehe es ganz nüchtern,und ich bin anderer Meinung als Du.
Ich kann auch dieses Gebrabbel nicht mehr hören,über Leute die gegen Geld auftreten oder nicht,diese Diskussion hatten wir bei Alison Balsom doch auch schon,und da kamen ja die selben Einwände.
Ich habe auch schon geschrieben,was mich daran nervt,ich schreib es für Dich gerne noch mal. WENN DIE FEHLER NICHT SCHLIMM WAREN,WARUM ERWÄHNT MAN SIE DANN???
Ich kann auch nicht nachvollziehen,was die Schlagzeugstory damit zu tun hat.

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Re: Hardenberger

Beitrag von dizzyoliver » Samstag 2. Februar 2013, 23:53

Du kannst viele Dinge nicht nachvollziehen,vielleicht solltest Du mal darüber nachdenken.Ich möchte damit nicht sagen,dass wenn viele Leute eine,sagen wir mal,ähnliche Meinung haben,diese unbedingt recht haben müssen,aber es zeigt eben das Meinungsbild der hier postenden Mitglieder auf.Da alle hier mehr oder weniger oft auf der Bühne stehen,sollten sie auch in der Lage sein,ein gewisses "Gefühl" für die Sache zu haben.

Wer auf der Bühne steht,muss damit rechnen,dass nicht jeder Zuhörer/Zuschauer mit dem gebotenen Vortrag einverstanden sind.Das betrifft nicht nur Musiker,sondern Künstler generell.Auch dem Maler,der seine Ausstellung hat,wird kritisiert.Wo DU da ein Problem mit hast,vermag ich nicht zu verstehen.Das dürfte gerade im künstlerisch sehr verwöhnten Berlin nicht anders sein.

Die Story mit dem Schlagzeuger soll zeigen,dass man darauf auch ganz lässig kontern kann,wenn man als Profi über den Dingen steht.Ich weiß,um wen es sich dabei handelt,und mir ist dieser Schlagzeuger nicht gerade als "Sympathieträger" bekannt,aber die Antwort fand ich doch irgendwie klasse.

Da wir ja auch das Thema "Mobbing" hier im Forum haben,möchte ich betonen,dass Kritik,wenn sie denn vernünftig geäußert wird,nichts mit "Mobbing" oder Ähnlichem zu tun hat.Es hat hier auch kein Kollege die beiden Künstler Ballsom und Hardenberger in irgend einer Form schlechtgeredet,im Gegenteil.
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