Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Welches sind die besten ?

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Puukka
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Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Puukka » Samstag 2. Juli 2011, 16:42

Hallo Kollegen

Wenn ich so die Viel-Tester und -Wechsler wie mich und bekannte Amateure sowie Profis beobachte, komme ich zu vielen Gemeinsamkeiten, wobei ich mich nun frage, ob man diesen Teufelskreis nicht auf wenige Regeln herunterbrechen und dadurch begreifbar machen könnte.

Trompetensafari:
1.) Man probiert eine Engere oder Schwerere und ist vom Rasten und von der Kraft im Klang begeistert
2.) Man probiert eine Weitere oder Leichtere und ist von der Flexibilität im Klang und leichten Ansprache begeistert

Die Safari beginnt, wenn man alle diese Eigenschaften in einer Trompete sucht, was vermutlich eine mechanische Unmöglichkeit ist.

Mundstücksafari:
1.) Man probiert ein Weiteres oder Tieferes und ist vom vollen Klang begeistert
2.) Man probiert ein Engeres oder Seichteres und ist von der Ansprache und Ausdauer begeistert.

Die Safari beginnt, wenn man alle diese Eigenschaften in einem Mundstück sucht, was vermutlich eine mechanische Unmöglichkeit ist.

Könnte ich damit recht haben?

LG
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Rainer H
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Rainer H » Samstag 2. Juli 2011, 17:43

meine 5 Cent!
Eine Trompete ist was Individuelles! Ich finde für mich die Perfekte Trompete, ein anderer Trompeter findet, diese Trompete
die für mich Perfekt ist , gelinde gesagt bescheiden, Er kommt aber mit Trompeten klar, Die für mich einfach nicht so gut sind.
Also alles offen , besser oder schlechter, für wen und für was,das ganze ist komplexer als man denkt.
Gruß Rainer

Deakt_20120316
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Deakt_20120316 » Samstag 2. Juli 2011, 18:24

Fuer mich persoenlich gibt es nur ein kriterium und das ist der fluss und die verringerung des aufwands der fuer diesen noetig ist. Je optimaler die abstimmung, ansatz, mundstueck, trompete ist, um so besser geht die entwicklung vorwaerts. Das ist sicher fuer jeden anders. Ich denke aber, dass, wenn man sehr nah am optimum ist, man mit der mundstueck-trompeten kompination so ziehmlich alles spielen kann ohne gross wechseln zu muessen. Daher find ich, dass ein suchen okay ist und sinnvoll. Findet man in einer suchphase nichts was einem ein effizienteres spielen ermoeglicht, kehrt man ja in der regel zu seinem alten equipment zurueck. Findet man etwas was es einem ermoeglicht bleibt man dabei. Der satz, welchen ich schon oft von guten trompetern gehöret habe, dass wenn das blassystem steht und funktioniert, ein wechseln nicht schadet. Man sollte nur dem irrglauben ncht verfallen, dass es eine trompete, ein mundstueck gibt, dass einem die arbeit abnimmt. Es geht wohl nur ums erleichtern. Aber ich denke, mit gaenzlich unpassendem gerast ist eine volle entwicklung nicht moeglich.
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Puukka » Samstag 2. Juli 2011, 19:59

Rainer H hat geschrieben:Also alles offen , besser oder schlechter, für wen und für was,das ganze ist komplexer als man denkt.
Aber ist es das wirklich wert? Ich meine, wie Alexander schreibt, wohlfühlen sollte man sich, sodaß man effizent spielen kann.
Jedoch auch da muss man irgendwann einen Kompromiss machen, sonst endet es nie, denn man könnte sich ja mit der XY noch wohler fühlen.
Auch ob der Klang etwas heller oder breiter ist, wird vom Publikum meiner Meinung nach nicht registriert, ist eher Raumakustiksache.

Ich glaube, wir sind da sehr von Werbung, glänzendem Metall etc. beeinflusst. Auch in den englischen Foren begeistert es mich immer, wenn die Kollegen schreiben "my new trumpet". Ich glaube 80% der Trompeter haben "new trumpets".
Mir geht es genauso: Dieses Horn hatte ich noch nicht, das ist aber interessant.
Zum Glück bin ich kein Liebhaber von Autos, sonst müsste ich mal den haben, mal den, oh ein Neuer, der muss besser sein. :wink:
LG
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Deakt_20120316
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Deakt_20120316 » Samstag 2. Juli 2011, 20:09

Ja. Ich hatte mich mal mit verschiedenen trompeten hinter die fuer gestellt und meine gattin sollte sagen, wenn sie einen unterschied viert. Irgendwann sagte sie, wann ich endlich wechsel. Ich hatte schon gewechselt. Sie sagte dann manchmal klang es voller, aber im ganzen...kein wirklicher unterschied.
Witzig: letztens sagte wer mein ton waer voller, ob ich ein groesseres mundstueck spiel. Das gegenteil ist der fall. :-)
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Puukka » Samstag 2. Juli 2011, 20:19

Ja, da ist sehr viel Autosuggestion drin.

Ich hatte z.B. mal zwei Schilkes, B7 (weiter Becher) und B5 (normaler Becher).
Die B7 war eindeutig voller im Klang. Ich war sogar noch dieser Überzeugung, obwohl ich sie schon längere Zeit verwechselt hatte und erst als ich das bemerkte, was die B7 wieder voller klingend ;o)
Also spielt man sogar schon so, wie man es erwartet.

Mit Mundstücken hatte ich auch schon solche Erlebnisse.
Meine Freundin ist meistens beim Testen dabei. Auch sie findet z.B. die silberne Trompete heller, solange sie sich nicht umdreht und plötzlich keinen Unterschied mehr feststellt.

Kurzgefasst, meine Vieltesterei hat mir sehr viel Einsichten gebracht und auch Übungsschübe, die nicht zu verachten sind.
Ums Geld gehts mir nicht, ich hätte es in andere Hobbies reingesteckt.
Jedoch musikalisch, und im Endeffekt geht es darum, waren die Wechslereien eigentlich so gut wie nutzlos.
Vom Spielgefühl her könnte ich mich wohl auch an vieles gewöhnen, ist warscheinlich nur eine Frage der Zeit.

LG
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Puukka » Samstag 2. Juli 2011, 20:36

Rainer H hat geschrieben:Eine Trompete ist was Individuelles! Ich finde für mich die Perfekte Trompete,.......
Was wäre denn für Dich eine "perfekte" Trompete? Bei mir scheitert es an der mechanischen Unmöglichkeit, siehe oben.

Ich denke, die Suche endet nie, wenn man etwas "Perfektes" will.
Z.B. meine Schilke lässt sich ausgesprochen leicht spielen, verzeiht einen müden Ansatz, aber das Durchsetzungsvermögen und den Kern einer Schweren hat sie nicht.
Eine Schwerere hat den Kern und die Power, aber spricht langsamer an als Schilke B oder X und verzeiht keinen müden Ansatz.

Ich denke, die Massgeschneiderten sind deshalb auch oft Mitteldinger. Und das erklärt vielleicht auch die Beliebtheit der regulären Bach Strad 37. Durchschnittlich und somit Allzwecktauglich.
LG
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Rainer H » Samstag 2. Juli 2011, 20:48

Puukka hat geschrieben:
Rainer H hat geschrieben:Eine Trompete ist was Individuelles! Ich finde für mich die Perfekte Trompete,.......
Was wäre denn für Dich eine "perfekte" Trompete?
LG
Bei einem Instrument wo ich ein Wow Erlebnis habe, oder hatte , Ich bin aber kein Maßstab, da ich mich noch voll in der
Entwicklung befinde.
Gruß Rainer

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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Puukka » Samstag 2. Juli 2011, 21:00

Das "Wow-Erlebnis" kenne ich natürlich.
War aber auch oft nur der Effekt, daß sich der Ansatz lockert, wenn man einmal kurzzeitig etwas anderes, als das Eingefahrene, spielt.
LG
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Rainer H » Samstag 2. Juli 2011, 21:05

Puukka hat geschrieben:Das "Wow-Erlebnis" kenne ich natürlich.
War aber auch oft nur der Effekt, daß sich der Ansatz lockert, wenn man einmal kurzzeitig etwas anderes, als das Eingefahrene, spielt.
LG
Ich habe mich etwas undeutlich ausgedrückt, ich meinte natürlich ein Wow das über Monate bleibt, einfach das beste Pferd im Stall :D
Gruß Rainer

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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Hobbyspieler » Samstag 2. Juli 2011, 21:28

Ja, die perfekte Trompete gibt es nicht. Aber es gibt die Trompete, die der perfekten Trompete ziemlich nahe kommt.
Jedoch ist das eine sehr persönliche Angelegenheit, da die Wahrnehmung der spielerischen Eigenschaften von Trompeten von den Spielern sehr unterschiedlich aufgenommen wird.

Wenn es um die "fast" perfekte Trompete geht gilt für mich persönlich: welche Trompete nehme ich mit wenn es sozusagen um "Leben und Tod" geht. Ich denke, da hat jeder bei seiner Safari schon mal eine oder mehrere Trompeten gefunden die, wenn auch nur marginal, einem ein etwas sichereres "Gefühl" geben das alles gelingt.

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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von Rainer H » Samstag 2. Juli 2011, 21:39

Hobbyspieler hat geschrieben:Ja, die perfekte Trompete gibt es nicht. Aber es gibt die Trompete, die der perfekten Trompete ziemlich nahe kommt.
Jedoch ist das eine sehr persönliche Angelegenheit, da die Wahrnehmung der spielerischen Eigenschaften von Trompeten von den Spielern sehr unterschiedlich aufgenommen wird.

Wenn es um die "fast" perfekte Trompete geht gilt für mich persönlich: welche Trompete nehme ich mit wenn es sozusagen um "Leben und Tod" geht. Ich denke, da hat jeder bei seiner Safari schon mal eine oder mehrere Trompeten gefunden die, wenn auch nur marginal, einem ein etwas sichereres "Gefühl" geben das alles gelingt.
100% Zustimmung :gut: :D

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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von well-blech » Samstag 2. Juli 2011, 21:41

Rainer H hat geschrieben:Ich habe mich etwas undeutlich ausgedrückt, ich meinte natürlich ein Wow das über Monate bleibt, einfach das beste Pferd im Stall
Über Monate ... das ist schon mal ne überschaubare Zeit. Jenseits eines honeymoon-Gefühls.
Andererseits: Die Alterungsprozesse an der Trompete laufen möglicherweise nicht synchron mit denen des Spielers.
Will sagen: Auch die beste Kanne verliert mit den Dritten ihren "Biss"... :mrgreen:
Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von ulli926 » Samstag 2. Juli 2011, 22:12

Hi Puukka,

ich spiele ja nicht so toll, aber probiere immer gerne ne neue Kanne, auch viele historische. Bei den alten gibt es schreckliche Dinger, und man fragt sich, wie die frueher das bewaeltigt haben. Auf den meisten besseren Neuen, und Alten wie EMO oder Selmer geht eigentlich alles o.k. Aber ich komme immer zu meinen Lieblingen zurueck und sage WOW (Ansprache, Sound, Intonation). Ist ein Gefuehl, mit ihnen verwachsen zu sein. Fuer mich sind es Baumann, Spada, Eclipse mit Monette Prana (B2 oder B3), und nur wenn ich muede bin, Best Brass mit Gewinde. Ich denke wenn die 'Neugier' (im Wortsinn) nachlaesst, kann man bei seinen gewohnten Kannen bleiben, ohne das Gefuehl zu haben, etwas zu verpassen.

Neulich habe ich einen langen Abend mit Matthias Schriefl verbracht verbracht. Der spielte unglaubliche Dinge auf seiner verbeulten Bobby Shew mit relativ grossem Mundstueck mit grosser Bohrung. Die Kombi spielt er wohl schon ewig.

Omar Sharif wurde mal gefragt, wieso er so einen Erfolg bei Frauen habe, obwohl er angeblich nicht besonders ueppig ausgestattet sei da unten. Er sagte: Es kommt nicht darauf an, was man hat, sondern was man damit macht. Gilt wohl auch fuer Trompeten.

Wir sollten mehr ueben!

gute Nacht

ulli
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Re: Safaris ein unvernünftiger Teufelskreis?

Beitrag von trumpieter » Sonntag 3. Juli 2011, 07:41

Puukka hat geschrieben: … ob man diesen Teufelskreis nicht auf wenige Regeln herunterbrechen und dadurch begreifbar machen könnte.…
als (weitgehend berufsmäßiger) methodiker sehe ich die antwort auf Deine frage, puukka, etwa anders. am anfang meines trompetenunterrichts vor jahrzehnten hatte ich irgendeine brez‘l, irgendein mundstück; das waren unverrückbar feste größen, und worum ich mich zu sorgen hatte, waren als alleinige variable mein ansatz und meine spielmäßige entwicklung.
ich denke, auf solche erfahrung kann fast jeder zurückblicken.

mit meinem, von mancherlei zweifeln begleiteten, neueinstieg vor knapp zwei jahren verbindet sich eine neue sicht: nämlich auf das instrumentarium als variable. teils unausweichlich, denn ich fing an mit geringstmöglichem aufwand, also wirklich billigware. das ist die eine seite, die andere ist, daß tatsächlich der eindruck entstand, mit der einen könne ich besser, mit der anderen weniger gut zurechtkommen.
damit greifen beide variablen in einander, und das dritte entsteht: die neugier auf den wechsel (nennen wir‘s mal, nicht ohne begründete anzüglichkeit: ein »casanova-komplex«).

Du merkst vielleicht, worauf ich hinaus will. am ende ist das IDEAL virtuell, die suche geht nicht danach, dieses ideal zu verwirklichen, sondern danach, immer neuen variablen nachzuspüren.
beweis? stell Dir mal nur vor, Du hättest endlich Dein traumhorn, die erfüllung aller noch so in sich widersprüchlicher anforderungen, gefunden … was dann?

die suche ist das ziel. amen.

trotzdem … für mein bescheidenes vermögen (bläserisch wie finanziell) bin ich doch an dem punkt angelangt, wo mein instrumentarium mir sagt, nun solle ich mich doch bitteschön um meine eigenen defizite kümmern, anstatt auf die der hörnchen auszuweichen.
aber natürlich juckt es mich immer wieder, vielleicht doch noch dieses oder jenes »neue« auszuprobieren …

schönen sonntag, trumpieter

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