Ist Mundstückvergoldung gesundheitsgefährdend?

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Oberscheyrer
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Ist Mundstückvergoldung gesundheitsgefährdend?

Beitrag von Oberscheyrer »

Hallo,
ich spiele auf meinen Breslmairmundstücken nur Ränder mit Vergoldung. Bisher war ich immer der Ansicht, dass Mundstücke und auch Instrumente vor dem Vergolden eine Silberlegierung bekommen. Ich bin deshalb sehr überrascht, dass die Fa Breslmair in ihrem Beitrag zur Mundstückhygiene mitteilt, dass unter dem Gold meistens eine Nickelauflage angebracht wird. Diese kann nach Abnutzung der Goldauflage gesundheitsgefährden werden (Nickelallergie).
Wisst ihr diesbezüglich mehr? Habt ihr schon mal allergische Reaktionen gehabt?
Breslmair schreibt, dass Mundstücke zumeist vernickel werden. Sind jetzt meine Ränder vernickelt oder nicht??

Die Aussage von Breslmair darf ich nachstehen anführen:

"Zur besonderen Vorsicht rate ich bei vergoldeten Mundstücken, da diese zumeist unternickelt werden, um der dünnen Goldschicht eine dauerhafte Grundierung zu bieten. Nach galvanotechnischen Grundsätzen mag dieses Verfahren angebracht sein, hat im Instrumentenbau, insbesondere Mundstückbau, aber nichts verloren. Sobald die dünne Goldschicht (durch unsachgemäße Verwahrung und regelmäßige Verwendung) abgenützt ist, liegt die Lippe auf einer Nickelschicht, die früher als alle anderen Materialien eine Metallallergie (Nickelallergie) auslösen kann. Nickel ist extrem hautunverträglich und zudem sehr hart, wodurch Änderungen der Rand- oder Kesselform extrem erschwert werden."

Gruss
Oberscheyrer
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mk-trumpet
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Re: Ist Mundstückvergoldung gesundheitsgefährdend?

Beitrag von mk-trumpet »

Soweit ich weiß wird bei technischen Vergoldungen gern mal eine Nickelunterlage gemacht, bei Mundstücken namhafter Hersteller kann ich mir das nicht vorstellen. Bei superbilligen Chinakopien hätte ich da allerdings meine Zweifel. Kann mir auch nicht vorstellen, dass Breslmair diese Aussage auf seine eigenen Mundstücke bezieht, da würde er ja Antiwerbung für sich machen.
Abgesehen davon, bis man eine gute Vergoldung runtergeschleckt hat dürften einige Jahre ins Land gehen.
ttrumpett
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Re: Ist Mundstückvergoldung gesundheitsgefährdend?

Beitrag von ttrumpett »

Hallo
Ich bin zwar kein Galvaniker, in meiner ehemaligen Firma gab es aber ne Galvanikabteilung..hier hatte ich öfter Gelegenheit beim Vergolden diverser Teile zuzuschauen.
Bevor eine Goldschicht galvanisch aufgetragen wird, werden grundsätzlich vorher andere Metalle auf dem untergrund abgeschieden, um eine gute Haftung und eine gute Abscheidung zu gewährleisten. Das kann alles mögliche sein, auch Nickel.
Wenn die angeschiedene Goldschicht dick genug ist, würde ich aber keine Gefahr einer Ni-Allergie sehen.
Dann wäre das ganze ja widersinnig. Ne Vergoldung wird ja nicht nur wegen der Optik aufgebracht sondern vor allem um eine Oberfläche zu haben, die nicht korrodiert und mit den Lippen chemisch nicht regiert...also chemisch passiv ist.
dan930
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Re: Ist Mundstückvergoldung gesundheitsgefährdend?

Beitrag von dan930 »

Hallo zusammen,

ein bisschen irreführend ist der Breslmair-Text schon, denn zum Einen empfiehlt er die Vergoldung bei Material-Unverträglichkeiten, dann klingt es so, als ob das immer mit einer Nickelunterlage gemacht wird, was im Blechblasinstrumentenbau nichts zu suchen habe, und schließlich gibt's die Breslmair Mundstücke auch vergoldet - ob nun mit oder ohne Nickel, wird aber nicht verraten. Hier hilft die direkte Nachfrage beim Hersteller sicher am besten.

Ich selbst hatte vor etlichen Jahren mit einem vergoldeten Denis-Wick-Mundstück große Allergieprobleme an den Lippen. X-faches Desinfizieren und Auskochen brachte nichts, wohl aber der Wechsel zurück auf ein versilbertes Bach-Mundstück. Ich fand damals in irgendeinem Forum den Hinweis, dass Wick früher tatsächlich Nickel als Grundierung verwendet hat. Heute sei das angeblich nicht mehr so. Ich habe Wick nicht mehr ausprobiert und kann das aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Sehr kurze Versuche auf einem Yamaha GP mit vergoldetem Rand waren bei mir völlig problemlos.

Zur Galvanik sei noch bemerkt: Keine Schicht ist zu 100% dicht - vor allem nicht in der Materialstärke, wie Gold aufgebracht wird. Vermutlich wird also auch bei einem frisch vergoldeten Mundstück mit Nickelunterlage immer auch ein bisschen Nickel Kontakt zur Lippe haben. In der Praxis hat das Mundstück dann aber noch Kratzer, Verschleiß usw... Außerdem ist das Einzige, was ich mir aus dem Chemie-Unterricht gemerkt habe, die Regel "Das edlere Metall wird vom unedleren aufgefressen." Also ganz egal, was drunter ist, die Goldschicht wird mit der Zeit dünner und löchriger. Bei Nickelunterlage ist das an einem Mundstück natürlich das Letzte, was man will.

Viele Grüße
dan930
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Re: Ist Mundstückvergoldung gesundheitsgefährdend?

Beitrag von Blechnase »

Jaja, die Chemie. Es ist grade umgekehrt, das edlere Metall bleibt und das unedlere löst sich auf, Stichworte sind hier das Redoxpotential und die elektrochemische Spannungsreihe. Sonst hätten sich jede Menge Eheringe und alte gallische Schmuckstücke schon verabschiedet und alle würden Zinkschmuck tragen :lol: Wenn also eine Schicht nicht ganz dicht ist, was spätestens nach dem ersten Kratzer wohl so sein wird, kann sich das unter der Vergoldung liegende Silber oder Nickel als Ag+ oder Ni2+ in Wasser/Feuchtigkeit/Speichel lösen und dadurch bestimmt auf den Lippen allergische Reaktionen auslösen. Bedingung dafür ist, dass eine Redoxpartner für das Silber oder Nickel vorhanden ist, denn ohne Reduktion keine Oxidation von Ni zu Ni2+.
https://www.kiezorchester.de/ :D Mitspieler_innen herzlich willkommen!
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Re: Ist Mundstückvergoldung gesundheitsgefährdend?

Beitrag von ttrumpett »

Tja dan930,
hoffentlich liest Dein ehemaliger Chemielehrer hier nicht mit... :D
:D :D
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