Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Ansatzfragen, Welche Methode ist die beste,
Probleme, Gundlegende Techniken etc.

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Justus.
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Justus. » Donnerstag 25. Mai 2017, 15:45

Danke für die Grafik, X1_KNOXVILLE! Ich meinte vermutlich Levator und Depressor, die sich bei beiden Alternativen gegensätzlich bewegen. Die Bewegung des Orbicularis Oris hingegen scheint bei beiden gleich zu sein.

http://www.trompetenforum.de/TF/viewtop ... 62#p255962[/youtube]

Link

So richtig unten bleibt das Kinn da aber nicht, oder?

Deakt_20190109
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Deakt_20190109 » Donnerstag 25. Mai 2017, 18:48

Justus. hat geschrieben:So richtig unten bleibt das Kinn da aber nicht, oder?
Naja, vier Jahre später in einem aktuellen Video scheint er sich die Bewegung abgewöhnt zu haben (s. Link)

https://www.youtube.com/watch?v=u1TCRsm ... rliePorter

Übrigens finde ich das es das ziemlich das ist was Malte Burba propagiert, nur das Schritt 1 und 2 ausfallen und er zuerst den Levator und Depressor in seiner Trockenübung nach außen zieht und dann erst Obicularis Oris mit dem Laut "py" ins Zentrum bündelt !

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Alien » Freitag 26. Mai 2017, 08:14

In genialer lehrer ! Aufjedenfall sein unterricht in youtube ist einer der Besten.
Sehr strukturiert und klar. Ich habe ihn vor 5jahre entdeckt und ein paar wochen die übungen
Für special sounds
https://youtu.be/7mFZ5uaJQ3Y
und andere coole sachen bei mir ausprobiert.
"Ganz ohne" bewegung in am kinn bei großen sprungen auf trompete ist möglich aber nicht immer nötig.
Es gibt auch leute die ansatz der massen krumm haben das es schon bewunderlich ist , wie hoch und flexible sie
Spieln können
wie z.B Jon Faddis
https://youtu.be/7mEKjklcCOI Ab 1:27
Also kann mach sich gedanken machen ob das hoch spielen und flexiblelät vielleicht, oder sogar sicher
Wo anders liegt - ? Meine persönliche meinung ist es liegt wo anderes !

Und zwar: bei der vorstellung - vorhören des tons... das ist nötig : um sicher - schön zu spielen.
Wie kommt man dahin - das ist eine andere Frage.
Also Das "Schatz - Ansatz" ist wo anderes vergraben. :ironie:
http://Www.jimgalakti.com
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Jens92 » Sonntag 17. September 2017, 23:09

Guten Abend!

Hier noch ein neues und hilfreiches Video von Charlie, was dabei hilft, die Konzepte dahinter besser zu verstehen. Von mir gibt es demnächst mal wieder ein Update. Bis dahin & beste Grüße!

https://www.youtube.com/watch?v=qGg_eh9Tw60

Jens

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von GT-Karl » Samstag 30. September 2017, 12:38

Echt einer der besten Beiträge zum Thema Buzzing die ich bisher im Netz gesehen habe, sehr hilfreich und vor allem verständlich! Nichts zu sehen vom Moskitobuzzen, offene, nicht eingerollte Lippen bringen den Sound den ich mag....!

Gruß

Karl

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Amethyst » Samstag 7. Oktober 2017, 18:04

Jens92 hat geschrieben:Guten Abend!

Hier noch ein neues und hilfreiches Video von Charlie, was dabei hilft, die Konzepte dahinter besser zu verstehen. Von mir gibt es demnächst mal wieder ein Update. Bis dahin & beste Grüße!

https://www.youtube.com/watch?v=qGg_eh9Tw60

Jens
Charlie Porter ist einer der wenigen, die wirklich gut erklären können und der Inhalt scheint mir sehr gut zu sein. Super! :gut:

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Deakt_20190109 » Montag 6. November 2017, 17:16

Whisper Tones by Charlie Porter
https://youtu.be/jztGQW7fml8[/youtube]

Blas!
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Blas! » Mittwoch 15. November 2017, 08:05

Hallo zusammen,
die Tipps von Charlie Porter kann man m.E. gar nicht hoch genug schätzen. Ich beschäftige mich nun seit einiger Zeit damit und ich mache deutliche Fortschritte. Mir sind dadurch im Hinblick auf einige Fehler in meiner Spieltechnik, die mich schon immer limitieren, Lösungswege bewusst geworden, die mir bisher nirgendwo in dieser Klarheit vermittelt worden waren. Natürlich ist das Ganze kein Selbstläufer und es ist fleißiges Üben erforderlich, aber ich sehe die (für mich) richtige Richtung nun viel deutlicher und ich spüre kontinuierliche Verbesserung. Danke an alle, die hier im TF auf Carlie hingewiesen haben und weiter hinweisen. Mir war er zuvor nicht bekannt.

Grüße
Blas!

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Jens92 » Samstag 2. Dezember 2017, 12:49

Hallo zusammen!

Nun auch von mir nach längerer Zeit mal wieder ein Update:

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Videos und Tipps von Charlie und die seine didaktische Expertise sind nach wie vor immer noch das Beste, was mir bisher zu Augen und Ohren gekommen ist.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich versucht, all die Konzepte und Übungen von Free Lip Buzzing, über Whisper Tones bis hin zu Zungen- und Flexibilitätsübungen und die Arbeit an Stücken, anzuwenden und mein Spiel zu verbessern. Fakt ist, ich wurde definitiv besser, in jeglicher Hinsicht. Besonders das Lippenbuzzing schien mir entscheidend weiterzuhelfen, weil es die reinste und einer der besten Formen ist, ein gutes Setting zu etablieren und auszubauen. Bis g/a2 ging auch alles recht gut, mit gutem Sound und hoher Flexibilität. Um c3 war dann erstmal Schluss und ich dachte, es Bedarf einfach kontinuierlicher Übung und zwar genau so, wie ich es zu dem Zeitpunkt auch machte. Einen wichtigen Aspekt habe ich aber dabei ein wenig aus dem Fokus verloren...

Vor drei Wochen hatte ich dann das Vergnügen, erneut an einem kostenlosen B&S-Workshop von Benny Brown bei den Kollegen bei Instrumentenbau Bethel teilzunehmen. Um ehrlich zu sein, war ich etwas naiv und glaubte, nicht viel Neues für mich mitnehmen zu können, zumindest nicht mit Hinblick auf das System Ansatz. Musikalisch und besonders der zweite Teil des Workshops, der sich vornehmlich mit Improvisation befasste, konnte ich jede Menge lernen und es war ein Genuss, Benny spielen zu hören. Ein herzliches Dankschön nochmal an dieser Stelle!
Immer wieder, wenn ich Benny spielen höre, fragte ich mich "Verdammt, wie kann man so fett klingen und das mit offensichtlich so wenig Aufwand?!"
Der erste Teil des Workshops richtete das Augenmerk hauptsächlich auf die Atmung und Zunge. In Kürze: Entspannt und tief auf Ho-a (kombinatorische Vollatmung) einatmen und in einem fließenden Prozess direkt wieder aktiv ausatmen und dabei die Luft mithilfe des Zwerchfells gut unterstützen. Die Übungen dazu waren ebenfalls sehr hilfreich und gut. Was die Zunge angeht, ist auch alles wie gehabt: Fixierung der Zungenspitze an den unteren Schneidezähnen, hinteren Teil der Zunge durch simuliertes Gähnen beim Einatmen entspannen und je nach Register den mittleren Teil der Zunge zwischen der Silbe "a", bis "ch" bis hin zu einem scharfen "ß" für extreme Lagen (ab g3 würde ich sagen), heben. Um sich den Tongue Level bewusster zu machen, sagten wir hierzu das Wort "Milch" und hielten den "ch"-Laut aus.
In der Pause des Workshops hatte ich dann Gelegenheit, ein bisschen mit Benny zu quatschen und mich etwas auszuprobieren. Ich sagte ihm, dass es ab g/a2 etwas problematisch sei. Er sagte dann "Vergiss einfach alles mal und mach einfach!" Gesagt getan, und siehe da: eine Naturtonbindung von c1 bis e3 ging auf einmal mit gutem Sound. Mit etwas probieren kam sogar ein leises f/g3 dabei heraus. Wir haben uns über sämtliche Ansatzfragen unterhalten und stellten schnell fest, dass mein Problem nicht etwa die Lippen und die "good form" sind, wie ich es bis dahin vermutete, sondern ganz klar der mangelnde Air Support. Hauptaugenmerk bei den Übungen vor Ort lag immer auf einem offenen, guten Sound. Denn unbestritten ist: Ohne guten Sound funktioniert irgendetwas nicht so, wie es soll. Wurde das c3 beispielsweise wieder etwas gequetschter und enger im Sound, wusste ich sofort, dass meine Atmung nicht so funktionierte, wie sie soll. Weiterhin stellten wir fest, dass sich, je höher ich spiele, mein Blick immer weiter nach oben richtete. Sicherlich etwas, was ich mir durch ein falsches Mindset angewöhnt hatte. Benny machte mich darauf aufmerksam und jetzt hilft mir die Vorstellung, dass höhere Töne gar nicht "höher" liegen, sondern einfach weiter entfernt liegen. Auch mal die Naturtonreihe bis c3 zu singen, macht deutlich, was die Stütze eigentlich leisten muss und man kann es sich, wie ich finde, sehr gut bewusst machen, dass da gearbeitet werden muss.
Nicht, dass mich jemand falsch versteht: Es gelten nach wie vor für mich Charlies Konzepte, wie bspw. die Höhe zunächst leiser anzugehen. Aber auch im piano merkt man direkt, ob die Atmung passt oder nicht. Denn wenn nicht, passt auch der Sound nicht.
Was ich aber besonders aus dem Workshop von Benny mitnehme ist folgender Satz: "Du kannst all das schon, was ich hier erzähle! Vergiss alles andere, mach den Kopf frei und achte einfach auf einen guten Sound und gute Flexibilität und forciere nicht in der Höhe!" Ich konnte sehr schön erleben, dass man durchaus im nächsten Moment enorme Fortschritte machen kann und das motiviert doch sehr.

Reflektiere ich jetzt all die Erfahrungen der letzten Monate, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich die Atmung definitiv etwas vernachlässigt habe. Was ich aber besonders interessant finde, ist, dass ich im Prinzip, egal ob durch Benny oder Charlie, nichts Neues gehört habe. Aber die Subjektivität, die Worte haben können und wie man manches dann auf einmal wieder anders auffasst, beeindruckt mich doch sehr. Wenn meine Atmung und Zunge jetzt richtig arbeiten, denke ich zum Beispiel gar nicht mehr über meine Lippenstellung nach. Die Hauptsache ist, ich habe ein offenes Setting und es klingt gut. Nehme ich dann doch mal den Spiegel zur Hand, sieht man, dass die Muskulatur trotzdem die Lippen sehr schön unterstützt. Ich spüre jetzt einen enormen Unterschied zu vorher, was die muskuläre Belastung angeht. Meine Muskulatur hatte definitiv viel zu viel gearbeitet, weil die Atmung einfach nicht passte. Jetzt arbeitet meine Muskulatur bei einem g2 gefühlt so viel wie vorher bei einem g1. Das macht m.M.n. auch Sinn, da das gesamte System jetzt effizienter funktioniet, sprich Atmung, Zunge und Lippen(-muskulatur) arbeiten in einer Balance. Auch für die Corners wird es erst ab g2 anstrengender. Vorher sollte man dort wirklich kaum Anstrengung verspüren. Die Grenze bei e/f3 macht sich bei mir jetzt so bemerkbar, dass einfach etwas Luft zu den Seiten entweicht, weil die Muskulatur noch nicht entsprechend ausgebildet ist, um dem Druck, der mit zunehmender Höhe ja durchaus zunimmt, standzuhalten und um das System dicht zu halten. Das bewerte ich erstmal positiv und ich sehe es auch als natürlichen Schutzmechanismus an, der mich vor exzessivem Druck bewahrt.

Erinnere ich mich jetzt an die Worte aus Charlies Three Compresisons Video (glaube ich) "What is happening round here (die Muskeln im Gesicht) is something, I don't consciously think about", wird für mich einiges klar. Denn wenn alles richtig in Balance arbeitet, muss ich darüber nämlich nicht mehr nachdenken. Vor ein paar Wochen habe ich darüber auf jeden Fall viel zu viele Gedanken gemacht.
Das alles habe ich mir durch Charlie auch bestätigen lassen und ich musste etwas lachen als er sagte "I never told you that you don't have to support with the air!" Für mich war die Bewusstmachung der Atmung auf jeden Fall essentiell und machte mir klar, dass man aufpassen muss, die Dinge nicht überzuanalysieren, denn das tat ich.

Das Schönste und Wichtigste ist bei all dem aber, dass man sich endlich wieder auf die Musik konzentrieren kann. Das darf man niemals aus den Augen verlieren, denn letzten Endes tun wir uns das ja alles an, um Freude an der Musik und an unserem Instrument zu haben. Der gute Klang muss immer im Vordergrund stehen. Jetzt, wo mein System endlich ausbalancierter und effizienter funktioniert, kann man endlich anfangen Probleme im Klang einfach musikalisch zu lösen. Ich übe zum Beispiel gerade Morceau de Concert von Pennequin. Auf der letzten Seite im 3/4 Takt kommt eine Achtelbindung von g1 nach e2. Wenn die nicht richtig funktioniert, versuche ich es einfach nochmal und schaue, dass es einfach schön und sauber klingt.
Denn Fakt ist: Wenn etwas gut klingt, hat meine eine ausreichend große Lippenöffnung, die Lippen sind in guter Stellung zueinander und Atmung und Zunge funktionieren. Darüber lässt sich nicht streiten. Im Umkehrschluss heißt das, wenn etwas nicht gut klingt, muss irgendetwas davon nicht richtig funktionieren. Auch darüber lässt sich nicht streiten.

Was mir zurzeit extrem hilft ist Folgendes:
- Viel Musik machen!
- Goldman Practical Studies, Staccato Tonguing No.1 als komplettes Zungenworkout und Referenz für Ausdauer
- Atemübungen für Sänger
- Flexibilitätsübungen aller Art

Ich merke auch, dass die Muskelpartien, die jetzt beansprucht werden, andere sind als zuvor. Die Beanspruchung spüre ich jetzt im Gesamten etwas mittiger und nicht mehr an den äußeren Mundwinkeln. Alles in allem fühlt sich alles einfach besser und entpannter an bei deutlich besserem Sound und Flexibilität. Alles andere ist letztlich jetzt Übungssache.

Denn Charlie sagte auch "Wenn du auf ein anderes Level kommen willst, musst du einfach jetzt viel Zeit investieren! Erarbeite dir mindestens 10-20 Etüden/Stücke, die du jeden Tag abrufen kannst. Auch wenn du keine Zeit hast, aber wenn du Zeit zum Zähne putzen hast, hast du auch Zeit um dir jeden Tag ein paar Takte einer Etüde zu erarbeiten."
Das wird also demnächst mal in Angriff genommen und ich versuche mich da erstmal an der ersten Characteristic Study aus Arban, da sitzt nämlich schon die erste Hälfte :lol: .

In diesem Sinne, allen noch frohes Üben und vor allem viel Spaß an der Musik! Ich hoffe wie immer, dass ich dem ein oder anderen etwas mit auf den Weg geben konnte!


Beste Grüße & ein schönes Wochenende!
Jens

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Tobias » Samstag 2. Dezember 2017, 15:00

Hallo Jens,
vielen Dank für deine Erfahrungsberichte! Da ist viel Interessantes dabei, an dem ich arbeiten kann.
Hau rein.
Gruß
Tobias
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Jens92 » Sonntag 25. November 2018, 14:10

Hallo zusammen!

In dem letzten Jahr und vor allem in den letzten 3 Monaten hat sich eine ganze Menge getan und möchte deshalb gerne meine Erfahrungen teilen. Danke jetzt schon an alle, die sich die Mühe machen, bis zum Ende zu lesen. Denn voraussichtlich werde ich mich kaum kurz fassen können :Uups: (aber ich versuche es, versprochen).

Im August hatte ich das große Privileg, 4 Wochen in Portland verbringen zu dürfen. Diese 4 Wochen waren noch nötig, um den Auslandsaufenthalt für mein Studium zu vervollständigen. Mit Charlies Hilfe konnte ich für relativ kleines Geld in Portland unterkommen und hatte das Vergnügen, mindestens jeden zweiten Tag eine Unterrichtsstunde bei und mit ihm zu haben. Dies war auch nötig, denn am 26. September stand meine Abschlussprüfung auf Trompete im Rahmen des Schulmusikstudiums auf dem Programm. Das Prüfungsprogramm musste (fast) komplett erarbeitet werden. Gemeinsam hatten wir uns für Hummel 1. Satz, Morceau de Concert (Pennequin), die Aria aus Aria et Scherzo von Aroutiounian und Rondo for Lifey entschieden. Das Programm war zu dem Zeitpunkt eine wirkliche Herausforderung und ein ganzes Stück Arbeit, aber dazu evtl. später mehr.

Zunächst jedoch mussten wir uns um ansatztechnische Grundlagen kümmern, da immer noch nicht alles so lief, wie es sollte. (Wann ist das auch schon mal so? Man lernt ja nie aus :D)
Da haben wir natürlich all das geübt, was hier auch schon angesprochen worden ist. Deswegen möchte ich über das Setting etc. ungern erneut ins Detail gehen. Dennoch kann ich nicht genug betonen, dass das richtige Setting und die Art und Weise, wie man sich über den gesamten Tonumfang bewegt, essentiell ist. Hier soll es folglich auch nicht darum gehen, Charlies "Methoden" zu verherrlichen, denn diese sind, wie er auch selbst sagt, nicht "seine Methoden", sondern lediglich das, was er bei den Besten der Welt (wie Wynton, Faddis, Höfs, Friedrich, Morrison, Dokshidzer, M. André usw.) beobachtet bzw. beobachtet hat.
Schließlich lässt sich hierüber m.E. nach auch gar nicht streiten: Wir brauchen...

- stets eine stabile Verbindung mit dem Mundstück, unabhängig von Lage und Dynamik
- Kontrolle über den Luftstrom
- eine Lippenstellung, die es erlaubt, die Lippen direkt in Schwingung zu versetzen bzw. direkt auf den Luftstrom reagieren zu lassen
- eine Öffnung, die groß genug ist, damit Luft ungestört hinausströmen kann, aber klein genug ist, um die Schwingung zu ermöglichen bzw. zu erleichtern.

Charlies Lösungsvorschlag und Beobachtungen, die er mit seinem Video "How to Form a Brasswind Embouchure in Four Steps" anbietet, sind m.E. diejenigen, die langfristig zum Erfolg führen. Natürlich kann man die genannte Punkte auch anders erreichen und umsetzen. Jedoch handelt es sich hier letztlich um Kompensationsmechanismen, mit denen man irgendwann an Grenzen stoßen wird. Aber genug dazu.

Doch warum blieben bei mir die erhofften Fortschritte aus? Mir waren die Konzepte ja schon lange vorher bewusst und bei anderen (s.o.) scheint es ja bestens zu funktionieren. Nun ja, rückblickend kann ich das an zwei Dingen festmachen: Ungeduld und fehlende Kontinuität. Man darf niemals vergessen, dass es sich bei diesem Prozess ja um alte, schlechte Gewohnheiten handelt, die man loswerden bzw. überschreiben möchte. Die aktuelle Forschung belegt, dass dies mindestens 66 Tage dauert und nicht mehr wie früher vermutet 3 Wochen (ohne jetzt eine Quelle herausgesucht zu haben). Ich stand im August insofern unter Druck, dass ich sowohl an meiner Bachelorarbeit arbeiten musste, meine Technik optimieren musste und ein Prüfungsprogramm bewältigen musste. Da hatte ich kaum eine andere Wahl als effizient und sinnvoll zu üben.

Das motorische Hauptproblem war rückblickend, dass die Levator-Muskeln (die, die die Oberlippe hochziehen) quasi genau das Gegenteil von dem gemacht haben, was sie eigentlich sollen. Denn ab c-e'' haben sie eher nach unten gedrückt, statt die Lippe nach oben zu ziehen. Sprich, das Gleichgewicht von Levator und Depressor war nicht vorhanden. Dies äußerte sich dann dadurch, dass meine Unterlippe tendenziell unter der Oberlippe nach wie vor verschwinden wollte. Natürlich konnte ich höher spielen etc., aber i.d.R. äußern sich derartige Probleme bzw. ansatztechnische Probleme schon viel früher, sprich in der unteren/Mittellage.
Wie konnte ich das Problem also lösen?
Rückblickend eigentlich echt einfach: regelmäßiges, tägliches (!!!), kleinschrittiges und penibles Üben und zwar immer mit Fokus auf die hier genannten Konzepte. In meinem Fall hat mir das Üben mit Spiegel sehr geholfen. Nochmal: Ich musste alte Gewohnheiten überschreiben. Das heißt, all das, was man jetzt neu übt, fühlt sich unter Umständen komisch und ungewohnt an. Das ist aber lediglich unser Gehirn, was uns einen Streich spielen will. Denn das wählt den Weg des geringsten Widerstands: Alt und Komfort ist gut, neu und ungewohnt ist schlecht.

Konkret hieß dies für mich:
- das Üben vom Wechsel zwischen großer und kleiner Lippenöffnung mit dem Visualizer und auch trocken im Alltag (je öfter, desto besser). Und zwar mithilfe der Muskulatur rundherum (siehe Charlies Four Steps).
- Lippen- und Mundstückbuzzing nach Stamp (kann aber auch irgendwas anderes sein, Hauptsache man hat eine Referenz und kann den Fortschritt erkennen und messen).
- "Daily Drills" wie einfache Bindungen. Alles mit Klavier, danach Mundstück, danach auf der Trompete.

Ganz wichtig ist natürlich wie immer einfach der gute, offene Sound. Deswegen gehörten Whisper-Breath Attacks auch dazu. Denn dann ist alles schön fokussiert und dennoch offen.
Da die Gewohnheiten langsam erlernt werden, ist es wichtig die Muskelbewegungen, um von großer zu kleiner Lippenöffnung zu wechseln, anfangs bewusst zu übertreiben. Dies hilft, um die Gewohnheiten schneller und besser zu etablieren.
Dies war jedoch nach 2-3 Wochen auch gleichzeitig ein Fehler, den ich gemacht habe. Denn wenn man im normalen Spiel die Bewegungen übertreibt, arbeitet man schlicht viel zu viel. Dies äußert sich dann in schlechter Ausdauer und in schneller Ermüdung in der Mittellage. Zudem geht der innere Fokus der Lippen, also die flacher werdende Bewegung Richtung Zähne, verloren.
Am Ende des Tages geht es immer um guten Sound und um Effizienz. Die erreichen wir, indem wir versuchen schlechte Gewohnheiten etc. zu minimieren. Ein "perfekt" gibt es ohnehin nicht.
Am Ende der vier Wochen war ich dann schon einen ganzen Schritt weiter und die alten Gewohnheiten waren schon deutlich abgeschwächter.

Damit der Beitrag nicht weiter ausufert, verzichte ich an dieser Stelle auf weitere Details und methodische Vorgehensweisen.

Was darüber hinaus nämlich noch erwähnt werden muss ist die Atmung und die Haltung:

Diese beiden Komponenten sind ebenso wichtig und dürfen niemals vernachlässigt werden. Da ich ja in Portland war, musste ich natürlich auch Dave Monette einen Besuch abstatten.
Auch das hier soll jetzt keine Werbung werden und letztlich sind Geschmäcker und Ansichten ja auch einfach verschieden. Deswegen bitte keine Grundsatzdiskussionen über die Monette-Politik. Ich sehe aber ein, dass man sich hier durchaus streiten kann.

Lange Rede, kurzer Sinn: Dave Monette hat mich eine Stunde lang mit Zero Balancing und Feldenkrais wortwörtlich gerade gerückt. Fehlhaltungen äußerten sich vorher in vorgeschobener Hüfte, Bewegungen des Kopfes beim Spielen, falsche Fußstellung, Bewegungen der rechten Schulter und die dadurch resultierende flache Atmung.
Glaubt mir einfach, wenn ich sage, dass wir ernsthaft wieder erlernen müssen, was es überhaupt heißt, gerade zu sein. Es ist wirklich so. Das vorher-nachher-Körpergefühl ist unbeschreiblich und man merkt erstmal wie krumm und schief man vorher überhaupt war.

Zusammenfassung gute Haltung:

- Füße sind hüftbreit aufgestellt und zeigen nach vorn
- Knie sind locker, nicht angespannt bzw. durchgedrückt
- die Hüfte ist gefühlt eher weiter hinten als sonst (es fühlt sich im ersten Moment etwas so an, als würde man sein Hinterteil herausstrecken)
- aufrechte Brust
- Schultern sind hinten
- gerade Kopf, meist oft gefühlt etwas weiter unten als man es gewohnt ist

Das alles fühlt sich zunächst ungewohnt an und muss genauso im Alltag und beim spielen geübt werden wie alles andere auch. Natürlich soll sich trotzdem alles natürlich anfühlen und völlig beschwerdefrei sein.
Macht man den direkten Vergleich und versucht genau das Gegenteil davon zu machen, wird man feststellen wie sehr sich die Atmung unterscheidet. Die Atmung soll auch möglichst natürlich sein. Kein übertriebenes Hineinsaugen der Luft und auch kein bewusstes Ausstrecken des Bauches.
Bei gerade und guter Haltung strömt die Luft beim Einatmen ganz weit nach oben (gefühlt bis wirklich ganz nach oben zum Hals) und beim Ausatmen ganz nach unten bis zum Becken. Bei schlechter Haltung wird man feststellen, dass die Luft bereits auf halber Strecke auf Widerstand trifft und nicht frei strömen kann. Dass dies ein en großen Unterschied für das Spielen und den Sound bedeutet, sollte klar sein.
Probiert es einfach mal aus. Einfach mal mit der Hand die Luft verfolgen und Anzeigen ob und wo man Widerstand spürt. Der Unterschied kann und wird einem die Augen öffnen.
Charlie propagiert hier besonders die aufrechte und offene, selbstbewusste Position der Brust. Dadurch macht man schon einiges richtig.

Über Monette Mundstücke möchte ich nur so viel sagen, dass sie bei gerade Haltung schlicht funktionieren. Auch die Sache mit dem Constant Pitch Center kann ich zu 100% bestätigen. Für mich ist Fakt, dass meine alten Mundstücke, die oben genannten Fehlhaltungen mindestens mal getriggert, wenn nicht sogar teils verursacht haben. Einfach, weil man gezwungen war, mit dem Körper zu kompensieren, wenn man richtig intonieren wollte. Mundstücke wie Yamaha oder Tilz sind für mich jetzt unspielbar geworden.
In meiner Recherche zu meiner Bachelorarbeit, die körperliche Beschwerden beim Trompete spielen bei Kindern und Jugendlichen untersucht, wurde mir die Sache mit dem Constant Pitch Center bzw. die Bauart von Trompeten und Mundstücken und die damit verbundenen Intonationsschwächen von einem renommierten Wissenschaftler bestätigt. Aber auch hier gilt: Do whatever works for you.


Letztlich habe ich es gschafft meine alten Gewohnheiten loszuwerden und mache seit Ende August fast täglich Fortschritte. Auf den Lippen buzze ich jetzt bis zum klingenden b2 und der Tonumfang wird monatlich größer (mittlerweile wieder beim sicheren b/h2, Grenze bei f3, und squeaks bis in die viergestrichene Lage und höher).
Zuzeit helfen mir whisper tones ungemein. Nach etwas Experimentieren bin ich damit warm geworden und es ist nicht mehr anstrengend (->Effizienz!). Manchmal mache ich ganze whisper tone-Sessions. Das ist wirklich wie Medizin. Die Flexibilität geht durch die Decke. Atemübungen a la Breathing Gym machen alles nur noch besser.
Deswegen kann ich jeden hier nur ermutigen, sich auf diesen Weg zu begeben. Ja, es ist manchmal frustrierend und ja, es kann auch lange dauern. Aber man kann auch schnell auf die richtige Spur kommen.

Wie auch immer...ich könnte ein ganzes Buch hierüber schreiben. Deswegen höre ich jetzt mal einfach auf :lol: .
Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn der ein oder andere die hier genannten Konzepte ebenfalls praktiziert und damit Fortschritte macht. Eines habe ich gelernt: Wenn alles effizient bei guter Haltung funktioniert, ist Trompete spielen einfach, besonders in der Höhe. Weniger ist mehr und das Ganze ist schlicht grenzenlos.

Ich freue mich über eure Berichte, sofern es jemanden gibt, der diese Konzepte auch praktiziert. Sehr gerne könnt ihr mir bei größerem Interesse oder bei Fragen auch eine PN schicken. Mit einem Trompeterkollegen aus München tausche ich derzeit Videos über We Transfer Collect aus. Wenn jemand hieran teilhaben möchte, bin ich gerne bereit bei Zeiten das Ganze nochmal anders aufzuziehen. Auch für Videocalls bin ich grundsätzlich offen, um meine Erfahrungen zu teilen.


Danke, beste Grüße & noch einen schönen Sonntag

Jens

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von manfrede » Mittwoch 2. Januar 2019, 00:07

alles gelesen. ufff...

Jens92
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Jens92 » Freitag 4. Januar 2019, 15:18

manfrede hat geschrieben:
Mittwoch 2. Januar 2019, 00:07
alles gelesen. ufff...
Allein erstmal noch ein frohes neues Jahr!

Dann hoffe, dass etwas dabei ist, was du für dich mitnehmen kannst.

Natürlich ist der Thread jetzt mittlerweile sehr lang und wahrscheinlich widersprechen sich auch einige meiner eigenen Aussagen. Dies spiegelt jedoch lediglich den Prozess und meine eigene, persönliche Entwicklung wider.
Den nötigen Weitblick erhält man natürlich auch immer erst im Nachhinein, aber das ist ja überall so: Hinterher ist man eben immer schlauer.

Nach wie vor würde ich mir wünschen, wenn ein Austausch über das Praktizieren von Charlies Konzepten stattfinden würde. Natürlich hat auch ein Charlie Porter das Rad nicht neu erfunden, denn letztlich reden wir ja immer über die gleichen Dinge und über die gleichen Mechanismen mit dem gleichen, hoffentlich guten Endresultat, was der schöne Klang ist.
Aber die Art und Weise, wie er es 1. beobachtet und 2. erklärt und vermittelt halte ich nach wie vor für einzigartig und herausragend. Eine solche Klarheit vermisse ich sonst.
Deswegen werde ich auch nicht müde ihn und seine Konzepte hervorzuheben, weil ich besonders in der Trompetenpädagogik jene Klarheit und Weitblick vermisse, zumindest gemessen an meinen bescheidenen Erfahrungen.

Also wenn ihr ansatztechnische Probleme habt: Wagt es, und probiert diesen Weg aus! Wenn es nach ausgiebiger Testphase nicht funktioniert, möge man machen, was immer einem helfe (aber dann funktioniert zumindest nach diesen Konzepten irgendetwas nicht :wink: )

Ich kann allen immer nur weiter Mut machen, denn das alles hätte ich von Anfang an schon gebrauchen können...

Beste Grüße & allen nochmals ein glückliches, gesundes & (musikalisch) erfolgreiches Jahr!
Jens

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