Mundstücke für bestimmte Zwecke

Welches wofür / für welchen Zweck

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Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von kornettist » Dienstag 15. Mai 2018, 22:01

Hallo!

Ich brauche mal euren Rat in Hinblick auf das Thema Mundstücke. Ich bin mit einem Yamaha 15E4 groß geworden und habe das seit Beginn meines Unterrichts mit 6 Jahren gespielt. Nun (fast 25 Jahre später) mache ich mir langsam Gedanken, ob ich nicht mal ein paar weitere Mundstücke für verschiedene Zwecke zulegen sollte.

Ich spiele oft die 1. Trompete im symphonischen Blasorchester oder 2./3. Trompete im klassischen Sinfonieorchester. Spiele ausschließlich Drehventiltrompeten (eine große Monke Bb und eine Lechner C). Als Solist bin ich seltener unterwegs. Und Big-Band/Unterhaltungsmusik gar nicht.

Im Sinfonieorchester habe ich an der 2./3. Trompete oft das Problem, dass extrem laute und tiefe Passagen nicht sicher gehen. Im symphonischen Blasorchester habe ich an der 1. Trompete oft das Problem, dass lange, hohe Passagen zu dünn klingen, obwohl die Ausdauer eigentlich vorhanden ist.
Vielleicht könnt ihr mir ja helfen, welche Mundstücke ihr mir empfehlen könnt, unter Berücksichtigung folgender Aspekte:

- Instrument (ausschließlich Drehventil)
- Einsatzzweck (siehe oben)
- Material (evtl. vergoldeter Rand?)

So könnte ich vielleicht gezielter bestimmte Mundstücke vergleichen, ohne dass mir ein Koffer mit 20 völlig unterschiedlichen Mundstücken zugeschickt wird, die ich einfach nicht überblicken kann. Habe übrigens ganz durchschnittliche Lippen, also weder auffällig dick noch auffällig schmal.

Bin mal gespannt, was kommt.

In dem Sinne, liebe Grüße,
kornettist
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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von TrompetenKäfer » Mittwoch 16. Mai 2018, 07:34

Ich bringe das einmal in eine für mich verständliche Verhältnismäßigkeit:
Ein Yamaha 15E4 ist hinsichtlich Kesseltiefe und Bohrung größer als ein Breslmair G2, das für viele Anwendungszwecke schon ein großer Kocher ist;
G1 wäre noch größer. aber da brauchts schon sehr viel Substanz, um das dauerhaft und zuverlässig stemmen zu können.

Ich vermute, dass das Mundstück größer ist, als es sein müsste, und du dadurch frühzeitig Ausdauer und Substanz einbüßt. Etwas "kleineres" Material würde da sicher unterstützend wirken.
Ich vermute aber, dass du einen großen Trompetenklang haben willst und kein scharfes Schneidwerkzeug?

Ich habe bisher keine allzu großen Mundstückodysseen hinter mir, bin aber auch ausschließlich Drehventilspieler in den unterschiedlichsten Konstellationen.
Ich habe einige Ausflüge zu Josef Klier (JK Exclusiv-Serie), Bach (1 1/2C, 3C), Tilz (PM-Serie) und Windhager (empfehle ich nicht) unternommen, bin aber letztlich wieder bei Breslmair gelandet.

Ich habe für mich letztendlich das G3 Komplettmundstück für mich entdeckt. Anstatt dem G-Rand verwende ich einen Schraubrand nach Bach 3C, die Form liegt mir besser.
Damit lässt sich für mich mein Einsatzspektrum gut abdecken. B7C-Trompete, Solo mit Orgel, Blasmusik/kleine Besetzung, Symphonieorchester/Kammerorchester/Kirchenmusik sind für mich damit gut machbar.

Ich halte nichts davon, einen Haufen Mundstücke mit sich herum zu tragen, meine Devise ist "so wenig wie möglich/so viel wie nötig" und das erfüllt das G3 für mich äußerst gut.
Das Piccolo Spielen habe ich mangels Anwendungsmöglichkeit und Können aufgegeben; das verringert die Anzahl der Mundstücke zusätzlich :D Ich spiele hauptsächlich B-Trompete, gelegentlich C, und auch Flügelhorn (mit passendem Mundstück).

Was ich sicher sagen kann: Komplettmundstücke G2 oder G3 passen sehr gut zu Drehventiltrompeten, und wenn du magst, wird's auch einen passenden Schraubrand entsprechend deinem Yamaha geben.

Puncto Material: bleib bei Versilbert; alles andere ist entweder höchst individuell (Allergien,...) oder Esoterik.

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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von Maxbert » Mittwoch 16. Mai 2018, 08:24

Da du schon so lange Yamaha spielst, es gibt dort auch einige super Mundstücke für Drehventil.
Bei mir funktionieren 17B4 und Mark Gould sehr gut. Das Robert Sullivan ist vielleicht zu groß und wird kaum Vorteile zum 15e4 bringen, aber es ist trotzdem angenehm. Die Frits Damrow und Eric Aubier Modelle sind auch einen Versuch wert.

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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von kornettist » Mittwoch 16. Mai 2018, 09:01

Hallo!

Danke erst einmal für eure Antworten. Ich denke, ich würde dann mal ein fertiges Yamaha 17B4 und bei Breslmair ein G3 ausprobieren und vielleicht dort ein paar verschiedene Ränder zum Testen mitliefern lassen. Meint ihr, dass es dann Sinn machen würde, bei schwächelnder Kondition auf einen dickeren Wechselrand zuzugreifen? Oder geht sowas nach hinten los?

Wenn ich mir schon ein "zerlegbares" Mundstück von Breslmair zukommen lassen würde, dann würde ich die Vorzüge eines zerlegbaren Mundstücks auch entsprechend nutzen wollen.

Mal nebenbei gefragt: Welche Auswirkungen hat eigentlich die Wahl des Stengels eines Mundstücks? Hier wird bei Breslmair ja auch unterschieden zwischen verschiedenen Stengeln:

https://www.breslmair.com/trompete/

Liebe Grüße
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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von OndraJ » Mittwoch 16. Mai 2018, 09:27

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein breiter Rand nicht mehr Ausdauer bringt. Ich muss mit einem breiten Rand etwas mehr drücken, um die selbe Flexibilität und Ansprache wie mit einem "normalen" (3C) Rand zu erhalten. Deshalb bin nicht so effizient und die Ausdauer ist schlechter.

Die Wahl des Stengels ist für mich wichtiger als die des Kessels. Wenn der Stengel zur Trompete und zum Spielsystem passt, geht alles viel leichter.

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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von kornettist » Mittwoch 16. Mai 2018, 09:44

Okay, wenn der Stengel so wichtig ist, welcher Stengeltyp passt denn zu welchem Spielsystem und zu welcher Trompete? Es reicht ja erst einmal bezogen auf die Breslmair-Stengel...
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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von OndraJ » Mittwoch 16. Mai 2018, 10:49

Ich mag eher weite Stengelbohrungen. Wenn ich zu enge Stengel spiele, geht die Intonation flöten bzw. ich treffe die Töne nicht so gut im Zentrum.
Ich teste immer die Ansprache unter dem G im Notensystem und die Intonation in der Höhe. Wenn beides passt, passt meistens auch alles dazwischen.
Dabei gehe ich folgendermaßen vor:
Ich spiele ein paarmal leise und leicht gestoßen vom C1 auf das F1. Das ist sehr gut um die Ansprache zu testen.
Dann entweder chromatisch oder Tonleitern hoch bis zum C3. Wenn Bb2, H2 und C3 gut intonieren und nicht zu tief sind, dann passt die Backbore zu mir. Mehr ist nicht erforderlich um eine erste Auswahl zu treffen.

Diese Beschreibung finde ich großteils treffend:
https://www.schmidt-brass.de/wissenswer ... tuecke.htm

Nochwas: Aus eigener, leidiger Erfahrung möchte ich dich vor dem exzessiven Testen neuer Mundtücke warnen. Meist gibt es statt weltbewegenden Verbesserungen nur neue Zweifel und platt gespielte Lippen. Teste ganz leicht und mit Bedacht. Nie 15 Mundstücke hintereinander nur Highnotes. Immer nur eines, ganz leicht und easy. Und wenn es nicht deutlich besser ist als das bestehende 15E4, dann sofort weg damit und nie wieder angreifen.
Alles Gute!

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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von TrompetenKäfer » Mittwoch 16. Mai 2018, 14:20

Ich meine ebenfalls: Sanfte Veränderungen und bloß nie einen Testmarathon, denn das bringt Garnichts außer Verwirrung oder Verzweiflung.
Einen Rand zum Wechseln halte ich für absoluten Unfug; das verlängert nur das Leiden oder führt schlimmstenfalls in den Abgrund, weil man sich die Ansatzmaske vollkommen destabilisiert.
Wenns nicht mehr geht, gibt's nur den Weg auf die "tieferen" Stimmen, oder das Aufhören. Mit Muss weiterspielen, führt zu nichts und schadet mehr, als es jemals nutzen kann.

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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von blechfan » Mittwoch 16. Mai 2018, 15:15

TrompetenKäfer hat geschrieben:Einen Rand zum Wechseln halte ich für absoluten Unfug
Meinst Du damit vielleicht "den Rand zu wechseln"?
Ein Rand zum Wechseln wäre z. B. ein Schraubrand; warum sollte dieser absoluter Unfug sein?

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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von inspired » Mittwoch 16. Mai 2018, 16:59

denke mal, das war falsch verstanden im Sinne von "den Rand beim Spielen zu tauschen". Das wäre Quatsch, sehe ich auch so.
Zu der Frage mit dem breiteren Rand: je breiter, desto unflexibler die Lippen. Daran sollte man auch denken.
Ansonsten sind Mundstücke keine Wunderheiler und verändern Dinge grundlegend.
Was ich ganz gut finde um die tiefen Register und die Technik zu trainieren ist ein Mundstück a la Kelly Screamer. Flach, eng, V-Kessel. Nur zum proben, nicht für Auftritte!
Wenn man damit untenrum einen fetten Sound hat und treffsicher ist, läuft das auf einem großen Kessel wie von alleine.
Trp.: B&S Challenger II (3143/2)
Flgl.: Miraphone Premium
Flgl.: Beck Melisma

Bild :-P

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Re: Mundstücke für bestimmte Zwecke

Beitrag von Danny80 » Mittwoch 16. Mai 2018, 21:41

Servus,
hatte ein ähnliches Thema - ausgehend von einem Yamaha 16E4 für die Drehventil-Kanne.
Bin jetzt bei Breslmair Stengel L, Kessel G3C und Rand 112 - bin damit sehr zufrieden und wie du schreibst gehen damit lange, hohe Passagen deutlich besser bei super Klang.
Probier mal G3-Kesselvariation mit verschiedenen Stängeln aus (z.B. L, S) - die Yamaha-Randkopie gibts ja auch von Breslmair.
Grüße,
Daniel
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